„Bitte zieht euch nicht zurück!“
Die Aula der Universität Heidelberg war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Denn die traditionelle Heidelberger Hochschulrede, eine Veranstaltung der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, hielt an diesem Donnerstagabend ein prominenter Gast: Bundesbildungsministerin Karin Prien. Ihren mit Spannung erwarteten Beitrag zu »Perspektiven der Antisemitismusprävention in schulischen und außerschulischen Kontexten nach dem 7. Oktober 2023« widmete die CDU-Politikerin mit jüdischen Wurzeln der Rolle, die Bildung im Kampf gegen Antisemitismus spielen kann und soll.
Als Bildungsministerin, sagte Prien in ihrer Rede, beobachte sie die Entwicklungen in Deutschland mit Sorge: »Wie antisemitische Deutungsmuster vielerorts normalisiert werden. Wie Jüdinnen und Juden sich weiter nicht sicher fühlen, oft noch weniger als vor ein paar Jahren. Und da muss ich mich und meine Generation kritisch fragen: Was haben wir falsch gemacht? Was können und müssen wir besser machen?«
Schulische Bildung als Allheilmittel zu sehen, so Prien weiter, »würde die Institutionen überfordern. Aber Bildung - schulisch und außerschulisch - könne entscheidende Weichen stellen. Wenn wir dafür sorgen, dass unsere Bildungseinrichtungen dafür auch die Möglichkeiten haben. Und wenn wir ein ganzheitliches Bildungsverständnis an den Tag legen, das alle mit einbezieht.«
Die CDU-Politikerin nahm ausdrücklich Bezug auf den Grünen-Politiker Sergey Lagodinsky, der die Heidelberger Hochschulrede im Vorjahr gehalten und gesagt hatte: »Die Erinnerungsrepublik Deutschland ist zu Ende.« Prien widersprach: Die Erinnerungsrepublik Deutschland sei nicht am Ende. Sie sei »nur im ständigen Wandel begriffen, und sie muss aktiv lebendig gehalten werden«. Sie habe ihren Vortrag damit begonnen zu umschreiben, »wie viel Grund zur Sorge wir gerade haben. Und das ist richtig. Aber wir haben auch Grund........
