Abhängig von US-Gas: Die EU redet sich neue Risiken schön
Mit einem historischen Beschluss zum Ausstieg aus russischen Gas- und Ölimporten stellt die EU ihre Energieversorgung neu auf. Ob die verordneten „Diversifizierungspläne“ tatsächlich zu mehr Sicherheit führen, ist jedoch fraglich.
Traditionell bedeutet Diversifizierung, Risiken zu streuen und Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten, Routen oder Technologien zu begrenzen. Aber die am vergangenen Montag verabschiedete EU-Verordnung reduziert Diversifizierung auf ein einziges Kriterium: „nicht aus Russland“. Dies impliziert, dass selbst eine vollständige Abhängigkeit von einem einzelnen Drittstaat ein Erfolg wäre, solange er nicht Russland heißt.
Diese begriffliche Verschiebung verschleiert die rasant wachsende Gasabhängigkeit Europas von seinem neuen Hauptlieferanten: den USA. Betrachtet man den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum einschließlich Norwegen als integrierten Gasmarkt, zeigt sich ein klares Bild: Zwischen 2019 und 2025 haben sich die Importe aus den USA nahezu versechsfacht.
Sie machen inzwischen fast 40 Prozent aller Gasimporte aus, bei Flüssigerdgas (LNG) sogar rund 60 Prozent. Seit Mitte 2022 verdrängen die USA nicht nur Russland, sondern zunehmend auch andere Lieferländer, etwa aus Afrika und dem Nahen........
