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Euro-Bonds – ein Bundesbank-Präsident auf Abwegen

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13.02.2026

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat mit seinem Vorstoß für gemeinsame europäische Schulden für Irritationen gesorgt – und die Irritationen sind nicht grundlos. Der Vorschlag war intern nicht abgestimmt, im Vorstand der Bundesbank gilt seine Äußerung als „Einzelmeinung“. Und der Notenbanker steht im klaren Widerspruch zur Linie der Bundesregierung. Bundeskanzler Friedrich Merz hat Euro-Bonds bereits entschieden abgelehnt. Das vollkommen zu Recht.

Ökonomisch sind Euro-Bonds ein Risiko für Deutschland. Auch wenn Nagel Bedingungen für einen solchen Schritt genannt hat: Staaten könnten künftig Risiken eingehen, weil Deutschland die Last mitträgt. Das Zinsrisiko läge vollständig bei Berlin, während die Kontrolle über die Mittel praktisch verloren ginge. Der deutsche Sparer würde weiter abgemolken, nachdem er bereits in den vergangenen Jahren den Gürtel enger geschnallt hatte.

Eine transparente, effiziente Verwendung der Gelder wäre kaum möglich. Hinzu kommt, dass die EU über spezielle Finanzierungsarten wie Fonds bereits 750 Milliarden Euro an Gemeinschaftsschulden für Verteidigung, die Bewältigung von Coronafolgen oder die Ukrainehilfe aufgenommen hat. Euro-Bonds wären daher de facto kein neues Instrument, sondern der endgültige Dammbruch einer ohnehin vor sich wuchernden europäischen Schuldenpolitik.

Politisch ist das Signal fatal. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Und Italien oder Belgien dürften zum Vorschlag Nagels auch wohlwollend nicken. Sie alle setzten sich schon lange für Euro-Bonds ein.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat mit seinem Vorstoß für gemeinsame europäische Schulden für Irritationen gesorgt – und die Irritationen sind nicht grundlos. Der Vorschlag war intern nicht abgestimmt, im Vorstand der Bundesbank gilt seine Äußerung als „Einzelmeinung“. Und der Notenbanker steht im klaren Widerspruch zur Linie der Bundesregierung. Bundeskanzler Friedrich Merz hat Euro-Bonds bereits entschieden abgelehnt. Das vollkommen zu Recht.

Ökonomisch sind Euro-Bonds ein Risiko für Deutschland. Auch wenn Nagel Bedingungen für einen solchen Schritt genannt hat: Staaten könnten künftig Risiken eingehen, weil Deutschland die Last mitträgt. Das Zinsrisiko läge vollständig bei Berlin, während die Kontrolle über die Mittel praktisch verloren ginge. Der deutsche Sparer würde weiter abgemolken, nachdem er bereits in den vergangenen Jahren den Gürtel enger geschnallt hatte.

Eine transparente, effiziente Verwendung der Gelder wäre kaum möglich. Hinzu kommt, dass die EU über spezielle Finanzierungsarten wie Fonds bereits 750 Milliarden Euro an Gemeinschaftsschulden für Verteidigung, die Bewältigung von Coronafolgen oder die Ukrainehilfe aufgenommen hat. Euro-Bonds wären daher de facto kein neues Instrument, sondern der endgültige Dammbruch einer ohnehin vor sich wuchernden europäischen Schuldenpolitik.

Politisch ist das Signal fatal. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Und Italien oder Belgien dürften zum Vorschlag Nagels auch wohlwollend nicken. Sie alle setzten sich schon lange für Euro-Bonds ein.

Bundesbank-Chef sorgt mit seinem Vorstoß für Irritationen

Es ist nicht das erste Mal, dass Nagel in diese Richtung argumentiert. Aber mit dem jetzigen Timing  wirkt es wie eine Einladung an andere Staaten, Deutschland unter Zugzwang zu setzen – gerade jetzt, wo der Kanzler erst wieder beim informellen EU-Gipfel am Donnerstag klar „Nein“ gesagt hat.

Zudem gefährdet der eigenmächtige Vorstoß das Ansehen der Bundesbank. Sie gilt traditionell als stabilitätsorientiert; Einzelmeinungen des Präsidenten untergraben diese Glaubwürdigkeit.

Will sich Nagel für den EZB-Vorsitz positionieren?

So drängt sich der Verdacht auf, dass Nagel sich mit dieser Aussage um die Nachfolge von Christine Lagarde als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in Stellung bringen möchte. Das mag aus strategischer Sicht nachvollziehbar sein, rechtfertigt aber keinen derart unkoordinierten öffentlichen Auftritt.

Eine deutlich solidere Alternative wäre, dass Deutschland selbst Schulden aufnimmt und gezielt an Europa weitergibt. So bliebe die Kontrolle erhalten, Transparenz gewahrt, und das Risiko für den Bundeshaushalt begrenzt.

Euro-Bonds sind kein cleveres Finanzinstrument, sondern ein Kontrollverlust auf Raten. Sie schwächen die Stabilität Deutschlands, setzen politisches Kapital aufs Spiel und schaffen unrealistische Erwartungen in Rom und Paris. Nagels Vorschlag mag Applaus im Ausland finden, doch in Berlin wirkt er wie ein Schlag ins Kontor der eigenen Wirtschafts- und Finanzpolitik – und ist auch auf Ebene der Bundesbank kaum haltbar.

Mehr: Das Zerwürfnis – Streit zwischen Berlin und Paris lähmt Europa


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