Schuldenkrise? Diese Stadt lebt, als gäbe es kein Morgen
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
wenn Kevin Warsh heute in Jackson Hole seine erste große Grundsatzrede hält, führt sich der Neuling an der Spitze der amerikanischen Notenbank Fed nicht nur in den Kreis der führenden Notenbankchefs und ‑chefinnen ein – er wird auch einige sehr drängende Fragen beantworten müssen: Lässt sich die Notenbank von den steigenden Renditen beeindrucken? Stellt sie den Kampf gegen die Inflation zurück, um den Haushalt von Donald Trump und Finanzminister Scott Bessent nicht weiter zu belasten? Und was hält Warsh davon, dass die Regierung immer aktivistischer in die Märkte eingreift?
Trump und Bessent haben ein für Fed-Chefs übles fiskalpolitisches Gemisch angerührt – und am liebsten wäre es ihnen, Warsh würde es auslöffeln. Doch noch gibt sich Warsh als Kostverächter.
Trump und Bessent haben ein für Fed-Chefs übles fiskalpolitisches Gemisch angerührt – und am liebsten wäre es ihnen, Warsh würde es auslöffeln. Doch noch gibt sich Warsh als Kostverächter.
Die USA kommen nicht vom Kern ihres Finanzproblems weg, wie die Autoren unserer dieswöchigen Titelgeschichte schreiben: Immer mehr Anleihegläubiger zweifeln, ob sie den aufgelaufenen Schuldenberg von 40 Billionen Dollar abtragen werden. Deswegen sind die Renditen auf langlaufende US-Staatsanleihen über fünf Prozent und damit auf die höchsten Werte seit der Finanzkrise gestiegen.
Bessent versucht gegenzusteuern, indem er langfristige Anleihen durch niedriger verzinste Kurzfristanleihen ersetzt. Gleichzeitig treibt der Irankrieg die Inflation, worauf Warshs Fed eigentlich mit einer Zinserhöhung reagieren müsste. Tut sie das, torpediert sie aber Bessents Strategie – die kurzfristigen Anleihen würden dann ja teurer.
Was also tut Warsh? Der US-Chefökonom von TS Lombard, Steven Blitz, schätzt, dass er sich im Zweifel eher für höhere Inflation und Wachstum entscheidet als für........
