menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Der Kanzler mit dem Filetiermesser

22 0
14.02.2026

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zurück zu unserem Blick auf die Themen, die uns in der vergangenen Woche am meisten beschäftigt haben. Diesmal melde ich mich aus München.

Die Münchner Sicherheitskonferenz war nie nur ein Treffen von Diplomaten in dunklen Anzügen und Militärs in Uniform. Sie ist Bühne, Tribunal, und fast immer ein Seismograf der Weltpolitik.

Die Münchner Sicherheitskonferenz war nie nur ein Treffen von Diplomaten in dunklen Anzügen und Militärs in Uniform. Sie ist Bühne, Tribunal, und fast immer ein Seismograf der Weltpolitik.

2003 stand Joschka Fischer im Bayerischen Hof und sagte: „I am not convinced.“ Vier Worte gegen den Irakkrieg der USA. Deren Vertreter fühlten sich brüskiert.

Jahre später formulierte Wladimir Putin eine Kampfansage an die USA, gegen Mittelstreckenraketen in Europa, gegen die Nato-Osterweiterung. 2015 legte sein Außenminister Sergej Lawrow nach und wetterte über 25 Jahre „amerikanischer Obsession“.

Und dann das vergangene Jahr: J.D. Vance, amerikanischer Vizepräsident, rüttelt am Fundament des transatlantischen Selbstverständnisses, zweifelt an der Meinungsfreiheit in Deutschland und kritisiert den Umgang mit der AfD. Eine verbale Ohrfeige.

In diesem Jahr ist es Friedrich Merz, der sich in diese Reihe legendärer Auftritte einreiht. Kein Donnern, kein Pathos. Sondern eine ruhige, präzise Abrechnung mit der Regierung Trump, wie ein glatter Schnitt mit einem scharfen Filetiermesser.

Er sprach von einer „Kluft“ zwischen Deutschland und den USA, distanzierte sich vom Kulturkampf der MAGA-Bewegung und von der erratischen Zollpolitik des Weißen Hauses. Und er fügte hinzu: „Lasst uns das transatlantische Vertrauen gemeinsam........

© Handelsblatt