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Riester-Reform: Meilenstein fürs Rentensystem

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27.03.2026

Riester-Reform: Meilenstein fürs Rentensystem

Stand: 27.03.2026, 17:16 Uhr

Von: Tim Szent-Ivanyi

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Die neu geregelte staatlich geförderte private Altersvorsorge ist für Anlegende ein attraktives Angebot.

Warum nicht gleich so: Als Finanzminister Lars Klingbeil seinen ersten Entwurf für die überfällige Ablösung der Riester-Rente vorlegte, waren die Banken und Versicherungen zufrieden – die Verbraucherschützer äußerten sich hingegen entsetzt. Schließlich hätten die Finanzinstitute weiter viel Geld mit der privaten Altersvorsorge verdienen und die Anlegerinnen und Anleger mit einer mageren Rendite abspeisen können. Dann legten die Finanzpolitiker der Koalitionsfraktionen von Union und SPD Hand an. Und siehe da: Nun maulen die Banken und Versicherungen – die Verbraucherschützer aber sprechen von einem Meilenstein.

Das ist keine Übertreibung. Mit der Reform wird es in Deutschland erstmals eine attraktive private Altersvorsorge geben. Menschen, die sich nicht intensiv mit den Anlagemöglichkeiten am Kapitalmarkt beschäftigen wollen oder können – und das ist derzeit die Mehrheit der deutschen Bevölkerung – haben künftig die Möglichkeit, ihr Erspartes nebst Zulagen einem staatlich gemanagten Fonds anzuvertrauen. Vorbild ist der schwedische „AP7-Fonds“, der dort Bestandteil der staatlichen Altersvorsorge ist.

Trotz mehrerer Börsenkrisen zwischen 2008 und 2024 erzielten die Sparerinnen und Sparer mit diesem Fonds im Schnitt 11,5 Prozent Rendite pro Jahr. Die Kosten sind so niedrig, dass 99 Prozent der Kapitalmarkterträge bei den Anlegern ankommen. Bei den Riester-Anlagen fressen die Spesen für Banken und Versicherungen die Erträge dagegen oft auf. Kein Wunder, dass 2005 Carsten Maschmeyer, damals noch Chef des umstrittenen Strukturvertriebs AWD, die Riester-Rente mit einer riesigen, dauerhaft sprudelnden Ölquelle verglich.

Die in der Koalition vergleichsweise schnell gefundene, pragmatische Lösung für die neue Altersvorsorge ist aber auch aus einem anderen Grund bedeutsam. Sie zeigt, dass Union und SPD zusammen handlungsfähiger sein können, als es bisher oft erscheint. Zugegeben, jetzt ging es noch um Wohltaten und nicht um harte Sparmaßnahmen. Gleichwohl lässt die trotz des Lobbydrucks der Finanzwirtschaft erzielte Einigung hoffen, dass die Koalitionspartner bei den anstehenden Reformen etwas Sinnvolles zustande bringen.

Gerade die Steuerpolitik dürfte beiden Seiten einiges abverlangen. Die geplante Einkommensteuerreform wird angesichts der schwierigen Haushaltslage nur gelingen, wenn sie aufkommensneutral bleibt. Mit anderen Worten: Wer die kleinen und mittleren Einkommen entlasten will, muss im Gegenzug die Steuersätze für Spitzenverdiener anheben. Das weiß zumindest die CDU längst, die CSU wird es noch lernen (müssen).

Auch die Reformen in Gesundheit und Pflege werden nur mit viel Kompromisswillen gelingen. Die Milliardenlücken lassen sich nicht nur durch Einsparungen bei Kliniken, Praxen und Pharmafirmen schließen. Die Versicherten werden ebenso ihren Beitrag leisten müssen, was der SPD schwerfallen wird.

Doch auch in diesem Bereich deutet sich Bewegung an. CDU-Gesundheitsministerin Nina Warken und SPD-Chef Klingbeil haben Sympathien für den Vorschlag erkennen lassen, die kostenlose Mitversicherung von nicht erwerbstätigen Ehepartnern abzuschaffen. Ein vernünftiger Vorschlag, wenn es weiter Ausnahmen für jene gibt, die Kinder erziehen oder Angehörige pflegen. Wenn die Koalitionspartner so unideologisch agieren wie bei der Riester-Nachfolge, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Rundumsanierung des Landes gar nicht so schlecht.


© Frankfurter Rundschau