Worauf wir stolz sein können
Worauf wir stolz sein können
Stand: 17.03.2026, 00:01 Uhr
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Unsere Demokratie ist bedroht, doch die Geschichte kann auch Mut machen. Ein Gastbeitrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Wir alle in Deutschland spüren es: Unsere Art zu leben, unsere Freiheit und Demokratie sind heute so bedroht wie seit Langem nicht mehr – durch Verächter der Demokratie im Innern, durch imperiale Großmächte von außen. Selbstbehauptung ist das Gebot der Stunde. Dafür müssen wir wissen, was auf dem Spiel steht und mit Leidenschaft für die Werte eintreten, die uns wichtig sind. Beides kann der Blick in die Geschichte vermitteln und deshalb ist der neue „Tag der Demokratiegeschichte“ so wichtig.
Unsere Bundesrepublik erklärt sich nicht allein aus der Negation, aus dem „Nie wieder!“. Unsere Identität speist sich auch aus den Demokratie- und Freiheitsbestrebungen, die es über Jahrhunderte hinweg gegeben hat. Wir können stolz sein auf diese Traditionen, ohne den Blick auf den Abgrund der Shoah zu verdrängen. Der Blick zurück zeigt, dass Demokratie in Deutschland selten eine Selbstverständlichkeit war, aber dass zu allen Zeiten mutige Frauen und Männer dafür gestritten und gekämpft haben. Kein Tag steht so sehr für dieses jahrhundertelange Ringen um Demokratie wie der 18. März.
An diesem Tag des Jahres 1793 riefen in Mainz frühe Verfechter der Menschenrechte die erste Republik aus. Am 18. März 1848 erreichte die Revolution ihren Höhepunkt und bereitete den Weg für das Parlament und die Verfassung der Frankfurter Paulskirche. Und am 18. März 1990 fand in der DDR die erste freie Volkskammerwahl statt; eine demokratische Revolution mit dem Stimmzettel.
In diesem Jahr begeht Deutschland rund um den 18. März erstmals den „Tag der Demokratiegeschichte“. Mehr als 250 Orte und Institutionen in ganz Deutschland beteiligen sich – vom Deutschen Bundestag bis zum Ostfriesischen Schulmuseum, von Kiel über Leipzig bis Konstanz. Die Veranstaltungen sind so vielfältig wie die Demokratie selbst: Zeitzeugen erzählen von der Friedlichen Revolution 1989 und es werden Stolpersteine für demokratische Stadträte verlegt; Vorträge erinnern an Konrad Adenauer und erzählen, wie der rechtsextreme Kapp-Putsch einst vereitelt wurde; Stadtführungen begeben sich auf die Spuren der Revolutionäre, die 1848 gegen Fürstenwillkür aufstanden, und Workshops widmen sich den ersten Frauen in der Kommunalpolitik.
Die Geschichte erinnert uns daran, wie wertvoll Freiheit und Demokratie, Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit sind – und wie mühevoll und unter welchen Opfern sie einst errungen wurden. Aber die Vergangenheit zeigt auch, was Menschen mit ihrem Engagement bewegen können, welche Mauern sie zum Einsturz bringen können und auf welch tönernen Füßen autoritäre Regime manchmal stehen.
Ein Deutschland, in dem alle ihre Meinung äußern und demonstrieren können, in dem die Menschen unabhängig von Geschlecht und Hautfarbe die gleichen Rechte haben, in dem alle nach ihrer Façon glauben und lieben können, in dem Leistung statt Herkunft den Erfolg bestimmt, in dem Kunst, Wissenschaft und Medien frei sind und nicht Regierungen vorgeben, was auf den Bühnen gespielt, an den Hochschulen geforscht und im Fernsehen gesendet wird – von diesem Deutschland haben Generationen geträumt, sie haben dafür gekämpft und gelitten. Seit 1989 ist es Wirklichkeit für alle Deutschen. Dieses Deutschland dürfen wir nicht preisgeben.
Wenn Extremisten heute „Wir sind das Volk“ skandieren oder schwarz-rot-goldene Fahnen schwenken, dann gilt: Lassen wir uns die Geschichte und die Symbole unserer Demokratie nicht von jenen stehlen, die kein Anrecht darauf haben. Schwarz-Rot-Gold sind die Farben der freiheitlichen Demokratie und der europäischen Völkerfreundschaft, nicht der Nationalisten und Autoritären; und in einer liberalen Demokratie darf die Bevölkerung vielfältig und ganz verschieden sein. Souveräne Bürgerinnen und Bürger, die ihre demokratischen Traditionen mit Stolz pflegen und ihre Ideale selbstbewusst behaupten, sind ein starker Verfassungsschutz.
Den 23. Mai, den Geburtstag unseres Grundgesetzes, habe ich zum „Ehrentag“ bestimmt, zu einem bundesweiten Mitmachtag, um Gemeinschaft zu leben und Deutschland zusammen ein Stück besser zu machen – vor Ort, mit Spaß. Unsere Jahrestage sollten wir zu Feiertagen eines demokratischen Patriotismus machen.
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Pflegen wir die Erinnerung an die Wegbereiter der deutschen Demokratie und bewahren wir ihr Erbe. Sie haben uns gezeigt: Geschichte ist kein Schicksal, dem wir unentrinnbar ausgesetzt sind, sondern wir haben es selbst in der Hand, welchen Verlauf sie nimmt. Der Blick zurück macht Mut, sich heute für die Werte einzusetzen, die unser Land auch morgen noch prägen sollen. Auch deshalb ist dieser erste „Tag der Demokratiegeschichte“ so wichtig.
Der Tag der Demokratiegeschichte wird erstmals an diesem Mittwoch begangen: Zur Erinnerung an Meilensteine auf dem Weg zur Demokratie finden bis Sonntag an mehr als 260 Orten Vorträge, Zeitzeugen-Gespräche, Lesungen und Stadtspaziergänge statt. Schirmherr ist Bundespräsident Steinmeier, der am Samstag an einer von Schülern geleiteten Führung über den Friedhof der Märzgefallenen von 1848 in Berlin teilnimmt.
