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Wie Lebenslügen die Menschheit in die Krise stürzen

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13.02.2026

Wie Lebenslügen die Menschheit in die Krise stürzen

Stand: 13.02.2026, 18:39 Uhr

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Die Welt klammert sich an Illusionen, statt die Realität anzuerkennen. Doch die kollektive Selbsttäuschung wird sich rächen. Der Kommentar.

Es wird schwer werden. Keine Frage. Individuelle Lebenslügen gelten ja schon als schwer überwindlich. Wie soll das erst werden, wenn wir die kollektiven Fantasien von derzeit so zehn Milliarden Menschen (oder von den bis dato gelebten rund 110 Milliarden) entzaubern müssen, damit der Karren noch mal weiterlaufen kann? Ein Hinweis vorab: Freundlich, sanft und mitfühlend wird das nicht.

Der Grund von so vielen, sich an so viele – objektiv haarsträubende – Lebenslügen zu klammern, ist durchaus nachvollziehbar: Nichts davon ist so grotesk, als dass es nicht unendlich viel attraktiver wirkt als die Realität. Wie naiv – und nachhaltig schädigend – von Marx einst anzunehmen, es gebe böse Kapitalisten, die dem Volk religiöses Opium einflößten. Das besorgt das Volk schon ganz von selbst.

Statt sich mit allen Konsequenzen im Krieg mit einem Unmenschen zu begreifen, glaubt man lieber weiter daran, dass Wladimir Putin doch eigentlich nur unverstanden ist (oder man kapituliert einfach schon mal vorauseilend gehorsam). Statt mal für eine kurze Zeit sich für andere und für das große Ganze präventiv zu engagieren (und dabei eventuell eine Uniform zu tragen), wird demonstriert für den Müßiggang. Statt im eigenen Leben mal klimaförderlich aufzuräumen, umzustellen und zu verzichten, sollen das besser die anderen tun. Und auch alle Lasten tragen. Statt aktiv und radikal gegen die Reichen vorzugehen, die sich immer mehr erlauben auf Kosten der anderen – verlange ich, dass meinen eigenen Bedürfnissen stets eine Extrawurst gebraten gehört. Während ich ein paar Lippenbekenntnisse zu mehr Gerechtigkeit absondere.

Statt dass die USA endlich kapieren, dass die trumpistische Diktatur nicht in einer diabolischen Schwefelwolke vergeht, bloß weil man ihre Mörder per Handyfilm anprangert, werden die meisten weiter den Kopf in den Sand stecken, bis Trumps Leute ihnen den noch sichtbaren Hals abschneiden. Genau so wird es auch an vielen anderen Ecken und Enden der Welt geschehen durch andere Eliten. Dieses Schicksal werden auch die Deutschen erleiden, wenn sie sich weiterhin weismachen, man könne mit Nazis einen zivilen Diskurs beginnen und so auch nur einen oder eine von denen ernsthaft von ihrem eingeschlagenen Irrweg abbringen.

Wie gesagt: Es wird weder freundlich noch sanft noch mitfühlend.

Der Westen soll sich nicht weiter damit kasteien, dass seine einstigen Imperien weltweit Unrecht taten: Das wurde mit zwei Weltkriegen beglichen. Und wer doch noch offene Rechnungen (Tansania, Namibia) haben sollte – das müsste gefälligst wenigstens jetzt endlich abgegolten werden. Die Kulturen Europas haben darüber hinaus Bestand. Eine Welt der schießwütigen Willkür à la Trump und Putin – die braucht niemand. Eine Welt ohne Russland und ohne die USA dagegen ist durchaus erstrebenswert.

Man kann damit im Kleinen anfangen; es braucht nicht gleich die Waffe in der Hand: Wie sehr es die USA schmerzt, wenn ihre Waren boykottiert werden, hat just die gerade aufgestiegene westliche Führungsnation Kanada bewiesen. Die russische Kriegsmaschinerie durch den Abbruch fossiler Energiezufuhr zu isolieren, haben die Grünen schon seinerzeit begonnen; das kann man privat auf dem eigenen Dach fortführen. Dem Klimawandel und den Lieferketten kommt man zumindest teilweise mit Cleverness im Supermarkt und dem eigenen Nutzgarten bei. Und und und. Nur leicht wird es nicht.


© Frankfurter Rundschau