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Singleleben: „Dates empfinde ich mittlerweile als Verschwendung von Lebenszeit"

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Singleleben: „Dates empfinde ich mittlerweile als Verschwendung von Lebenszeit"

Stand: 11.03.2026, 17:28 Uhr

Von: Kathrin Rosendorff

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Single-Frau zu sein, gilt in unserer Gesellschaft oft noch als Manko. Dabei bedeutet es oft ein selbstbestimmteres, freies Leben. Freundschaften sind oft emotional erfüllender als die meisten Dates. Warum viele von uns nicht mehr auf „den Richtigen“ warten wollen.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass Leute denken, sie müssten mich trösten, weil ich Single bin. Sie sagen Sätze wie: „Der Richtige kommt noch.“ Aber ich warte gar nicht. Ich liebe es sehr, Single zu sein. Single zu sein, bedeutet für mich, selbstbestimmt zu sein, frei zu sein. Glücklich zu sein. Mein Leben zu gestalten, ohne Kompromisse einzugehen.

Das war natürlich nicht immer so. Schon als Kind bin ich, wie die meisten, mit diesem Hollywood-Happy-End aufgewachsen. Die Botschaft der Serien und Filme war klar: Um glücklich zu sein, brauche ich einen Mann an meiner Seite. Als ich in der 6. Klasse war, spielte ich mit meinen Freundinnen sehr gerne das Spiel „Traummann“. Am Ende war die Liebeszukunft so etwas wie: „Du wirst mit Benjamin in einem Strandhaus in Kalifornien leben, und ihr habt acht Kinder.“

Als Teenie weinte ich nachts, weil ich noch keinen Freund hatte und fürchtete, als „alte Jungfer“ zu enden. Einen männlichen Begriff dafür gibt es nicht. Meine Freundinnen und ich liebten es, „Sex and the City“ zu schauen. Wir dachten, dass die Protagonistin Carrie so eine tolle Single-Frau sei. Aber eigentlich war auch ihr Lebensziel, mit Mr. Big zusammenzukommen. Es fehlten uns Vorbilder für Singles, die mit ihrem Leben auch ohne Mann glücklich waren. Ich habe mich nicht eines Tages bewusst entschieden: „Ich bleibe Single.“ Es hat sich so ergeben, dass ich es seit Jahren bin.

In meinen 20ern hatte ich immer wieder Beziehungen. Wenn Schluss war, fühlte es sich so an, als würde ich nie wieder glücklich werden können. Ein Ex-Freund wollte mich heiraten. Ein sehr netter Mensch, aber wir passten nicht zusammen. Und ich bekam bei der Vorstellung, Tradwife zu sein und mit ihm drei Kinder im Reihenhaus auf dem Land großzuziehen (das war seine Idee von Glück), Schnappatmung. Ich trennte mich.

Die meisten Männer, die ich danach datete, waren, wie meine Gen-Z-Freundinnen sagen würden, „Fuckboys“: Also Typen, die nur Spaß wollen, aber vorgeben, die große Liebe zu suchen. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr zu daten. Mittlerweile empfinde ich Daten als Lebenszeitverschwendung. Da bin ich nicht allein. Viele meiner Freundinnen daten nicht mehr. Und auch auf TikTok sprechen Frauen zwischen 30 und 50 darüber, dass sie glücklich sind, nicht mehr den Druck zu verspüren, einen Mann finden zu müssen.

Eine 35-jährige US-Amerikanerin erzählte dort neulich, dass sie die Energie und Zeit, die sie jahrelang darauf verwendete, für Männer attraktiv zu sein, jetzt lieber nutze, um Freundinnen zu treffen und tiefe Beziehungen – „Sisterhood“ – mit ihnen aufzubauen. Ich fühle das auch so: Meine Treffen mit Freundinnen sind so viel erfüllender als die meisten Dates. Und ich liebe es, nach dem Sport stundenlang mit meinen Freundinnen reden zu können, ohne dass ich ein schlechtes Gewissen haben müsste, weil jemand zu Hause auf mich wartet. Ich kann um 22 Uhr zu Abend essen oder spontan eine Reise machen. Ich habe keine Verpflichtungen, außer rechtzeitig Urlaub einzureichen. Dadurch, dass ich eben keine Beziehung und auch keine Kinder habe, muss ich mehr überlegen, wie ich meine Freizeit füllen will. Ich probiere mehr Dinge aus, lerne mehr Menschen kennen – von Hip-Hop-Tanzen bis zu Koreanischlernen bei einer Gastfamilie in Seoul.

Ich sage nicht, dass ich eine Beziehung für immer ausschließe. Wenn ich jemanden treffen sollte, mit dem es passt und ich weiter meine Freiheit behalten kann, dann wäre ich offen dafür. Aber wenn das eben nicht passiert, ist es nicht schlimm. Ich bin da sehr entspannt.

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Happy End eine Fiktion

Ein schwuler, verheirateter Freund sagte neulich zu mir: „Es gibt einen guten Grund, warum Hollywood-Filme enden, wenn die Protagonisten ein Paar werden. Denn danach ist die Romantik vorbei, dann wird es eben Arbeit. Das will keiner sehen.“ Diese romantische Kennenlernphase vermisse ich manchmal. Dann schaue ich ein K-Drama und weiß gleichzeitig, dass diese Romantik eben nur schöne Fiktion ist.

Es gibt sicherlich auch glückliche Paare, aber um mich herum sehe ich leider viele toxische Beziehungen: Freundinnen, die unbedingt das „glücksversprechende Familien- modell“ wollten und dafür harte Kompromisse eingehen. Sie streiten jeden Tag, sind dauergereizt und erzählen im Aggro-Ton davon, wie schlimm ihr Partner sei. Einige haben sich nach Jahren getrennt und bereuen, so lange unglücklich gelebt zu haben. Wenn Leute Dinge zu mir sagen wie: „Du bist zu anspruchsvoll“, denke ich: „Vielleicht wärst du mal besser etwas anspruchsvoller gewesen.“ Eine Freundin, die zwei Kinder hat, sagte zu mir: „Ich wünschte, ich wäre auch Single geblieben. Ich beneide dich, dass du so frei bist.“


© Frankfurter Rundschau