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Kritik an Kulturstaatsminister: Weimers Werk

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Kritik an Kulturstaatsminister: Weimers Werk

Stand: 17.03.2026, 16:33 Uhr

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Der Kulturminister hat seine Behörde in einen Ort des kulturpolitischen Misstrauens und von Kontrollfantasien verwandelt.

Als 2008 das zehnjährige Bestehen des Amtes des Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) gefeiert wurde, erklang Mozart. Unter der Leitung von Ingo Metzmacher spielte damals das Deutsche Symphonie-Orchester das Andante und Allegretto Grazioso aus dem Notturno in D-Dur für vier Orchester. Michael Naumann, der seinerzeit als erster von inzwischen sieben sehr unterschiedlichen Kulturverwesern das Büro im Kanzleramt bezogen hatte, stellte daraufhin spöttisch die Frage, was wohl gegeben würde, wenn das Landwirtschaftsministerium Geburtstag feiere.

Das war als Anspielung auf den indirekten Charakter des BKM zu verstehen, das zwar wie ein vollständiges Ministerium daherkommt, aber keines ist. Ein bisschen Bedeutung, wenig Einfluss, keine Macht – so könnte man die Arbeitsplatzbeschreibung formulieren, der sich alle Kulturstaatsministerinnen und -minister auf ihre Weise fügten, wie machtbewusst auch immer sie danach trachteten, ihr Kulturverständnis in Szene zu setzen.

Der Pragmatischste unter ihnen war der Bremer CDU-Politiker Bernd Neumann, dem nachgesagt wurde, in jungen Jahren eine kulturkämpferische Attitüde gepflegt zu haben, zwischen 2005 und 2013 aber vor allem durch Geschick und Begabung zur Geldvermehrung auffiel. Jahr für Jahr ließ er sich rühmen, die Ausgaben für die Kultur und ihre Einrichtungen stabilisiert und erhöht zu haben.

Zur Durchsetzung seiner konservativen Agenda, die Neumann im Auftrag der CDU verfolgte, war er sich nicht zu vornehm, eine strategische Zweckgemeinschaft mit Klaus Staeck einzugehen, dem sozialdemokratischen Plakatkünstler und Präsidenten der Akademie der Künste. Zwei Angehörige der 68er Generation aus entgegengesetzten politischen Lagern führten in der Beruhigungsphase der Berliner Republik vor, wie man fruchtbare Bündnisse schmiedet.

Damit scheint es nun vorbei zu sein. Der parteilose Medienunternehmer Wolfram Weimer lässt in Ministerpose kaum eine Gelegenheit aus, sein Tun als Bollwerk gegen eine längst abgelaufene kulturelle Hegemonie der Linken auszulegen, die er in urbanen Buchläden ebenso aufzuspüren meint wie auf den Bühnen der Internationalen Filmfestspiele von Berlin.

Wo seine Vorvorgängerin Monika Grütters auf charmant-selbstbewusste Weise für einen konservativen Feminismus warb, inszeniert Weimer sich als Reformer mit der Abrissbirne, der mal tölpelhaft, mal verschlagen oder auch nur verlogen den revanchistischen Kräften seines politischen Milieus Futter gibt. Die empörte Gegenwehr von Künstlerinnen und Künstlern dient ihm zur Wischprobe seiner Säuberungsoffensive. Kulturpolitik mit dem Mopp, Affront und Überwachung inklusive.

Im 28. Jahr seines Bestehens ist das BKM zu einer Sammelstelle des kulturpolitischen Misstrauens geworden, ein Recyclinghof staatlicher Kontrollfantasien. Aus dem Bestreben, die Verfassung zu schützen, erwächst Anpassung und Einschüchterung. Die neue Bürgerlichkeit, die Weimer einst zu einem konservativen Manifest stilisierte, kommt im Gewand kunstfeindlicher Spießigkeit daher. Vielleicht übersteht der Beauftragte Weimer den Sturm. Die Verheerungen seiner Amtsführung werden mit Mozart nicht zu beheben sein.


© Frankfurter Rundschau