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Frankfurt vor der Wahl: Die Rückkehr der roten Socken

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13.03.2026

Frankfurt vor der Wahl: Die Rückkehr der roten Socken

Stand: 13.03.2026, 15:57 Uhr

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Die CDU warnt vor einem Bündnis mit der Linken. Doch die Debatte zeigt vor allem, wie schwer sich die Parteien mit neuen Mehrheiten tun. Der Leitartikel.

Die roten Socken sind zurück. Die Stadtverordneten der SPD in Frankfurt trugen die Kleidungsstücke dieser Tage für ein Video in den sozialen Medien. Damit spotteten sie über eine Kampagne der CDU, die im Bundestagswahlkampf 1994 Premiere feierte. Mit den Socken wollte die CDU vor einem Bündnis aus SPD, Grünen und Linke warnen.

Das tut sie gerade wieder. In Hessen stehen an diesem Sonntag die Kommunalwahlen an. Und in Frankfurt droht aus Sicht der CDU eine Koalition der drei genannten Parteien, der sich noch Volt anschließen könnte. Die Debatte über die Zusammenarbeit mit der Linken hat bundesweite Bedeutung. Gleichzeitig wirkt sie extrem provinziell.

Um zuerst über Frankfurt zu sprechen: Es ist gut möglich, dass die CDU am Sonntag stärkste Kraft wird, aber ein Bündnis aus Grünen, SPD, Linken und Volt eine Mehrheit im Römer bekommt. Schon vor fünf Jahren wäre eine solche Koalition möglich gewesen. Obwohl sich in den Wahlprogrammen der vier Parteien die meisten Übereinstimmungen fanden, gab es kein Linksbündnis. Statt der Linken entschieden sich Grüne, SPD und Volt für die FDP als Partner.

Fünf Jahre später lässt sich sagen: Die Parteien haben die falsche Wahl getroffen. Die Koalition mit der FDP brachte Frankfurt nicht voran, wesentliche Entscheidungen wurden erst auf Druck von Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) getroffen. Eine davon – die Planung eines Suchthilfezentrums im Bahnhofsviertel – führte im Sommer zum Ausstieg der FDP aus der Koalition.

Seitdem wird die Stadt von wechselnden Mehrheiten regiert, wobei sich gerade die Linke als verlässlich erweist. Mit der FDP wird es wahrscheinlich dieses Mal keine Koalition geben. Die Alternative zum Linksbündnis wäre eine Zusammenarbeit von CDU, Grünen und SPD – eine Koalition des kleinsten gemeinsamen Nenners, von der unklar ist, in welche Richtung sie Frankfurt führen würde. Was ein Bündnis mit der Linken bringen würde, zeigte sich beim Haushalt, der mit dieser Mehrheit beschlossen wurde. In den Vordergrund rückten soziale Projekte wie kostenlose Kinderbetreuung und Frühstück für Grundschulkinder, zudem soll viel mehr geförderter Wohnraum entstehen.

Manche Warnungen der CDU klingen zwar polemisch, sind im Kern aber richtig. Ja, auf die Wirtschaft würden bei einem Linksbündnis Belastungen zukommen – etwa durch eine höhere Gewerbesteuer. Schaut man sich aber an, wie gut Hessens größte Stadt finanziell dasteht, wie sie durch alle Krisen gekommen ist, fragt man sich schon, ob das die größte Sorge ist.

Viele Menschen können sich das Leben kaum mehr leisten oder suchen seit vielen Jahren eine Wohnung. Vor allem um sie muss sich ein neuer Magistrat kümmern. Noch ist nicht einmal gewählt, doch die Panik, die die CDU schürt, wirkt gerade mit Blick über die Kommunalwahlen hinaus peinlich. Sofern sich die Umfragen für die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September bestätigen, wird sich die CDU eine solche Haltung zur Linken nicht leisten können. Damit die Brandmauer zur AfD hält, müssen im Zweifel alle demokratischen Parteien zusammenarbeiten.

Konservative Kräfte arbeiten gerne mit dem Bild eines Hufeisens mit zwei gleich starken Seiten: links die Linke, rechts die AfD, beide im selben Maße inakzeptabel. Wie unsinnig das ist, zeigen Einschätzungen des Verfassungsschutzes und anderer Institutionen, die die Demokratie im Land schützen sollen. Mitte kommender Woche wird das Endergebnis der Kommunalwahl in Frankfurt feststehen. Sollte es eine Mehrheit für ein Linksbündnis geben, dürften die Warnungen der CDU noch lauter werden als im Wahlkampf.

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