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Was ist die Alternative zur Aufrüstung?

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01.03.2026

Was ist die Alternative zur Aufrüstung?

Stand: 01.03.2026, 16:30 Uhr

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Die USA und Russland haben die letzten Begrenzungen ihrer Atomarsenale auslaufen lassen. Dabei sollte es nicht bleiben, fordern Rolf Bader und Klaus Moegling in ihrem Gastbeitrag.

Die aktuelle militärische Sicherheitspolitik des Westens befindet sich auf einem fatalen Irrweg. Die Verteidigungsetats der NATO-Staaten sollen zukünftig auf deutlich mehr als 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen. Bis 2035 sollen die Etats bis auf voluminöse 5 Prozent (inklusive der Infrastruktur, die für eine militärische Auseinandersetzung erforderlich ist) anwachsen. Allein für Deutschland bedeutet das weit über 200 Milliarden Euro – und das in jedem Jahr. Aufrüstung statt Abrüstung lautet der Plan.

USA, Russland und China modernisieren indessen ihre Nuklearwaffen mit erheblichen Investitionen. Innerhalb weniger Wochen könnten nun außerdem nach der Beendigung des „New START“-Waffenkontroll-Vertrags die einsatzbereiten nuklearen Arsenale der USA und von Russland vergrößert, ja sogar verdoppelt werden.

2026 sollen allein in Deutschland Tomahawk-Marschflugkörper, SM-6-Raketen und neue Hyperschallwaffen stationiert werden, die konventionell bewaffnet mit über 2000 Kilometern Reichweite im Tiefflug in nur wenigen Minuten Zielobjekte in Russland erreichen und russische Atomraketen und andere nukleare Infrastruktur zerstören könnten. Dies könnte Russland veranlassen, seine Atomraketen lieber einzusetzen, bevor es sie verliert („use them or lose them“). Auch Russland hat Hyperschallraketen, etwa die nuklearfähigen Iskander-Raketen, die in Kaliningrad, circa 500 Kilometer von Berlin entfernt, stationiert sind. Hier wird deutlich, wie wichtig ein Angebot zur gemeinsamen Abrüstung im Zuge geplanter Raketenstationierungen gewesen wäre.

Moderne Industriestaaten und ihre Gesellschaften sind nur unter Friedensbedingungen lebens- und funktionsfähig. Ihre Verletzbarkeit resultiert aus einer Synergie von Vulnerabilität und vernichtender Waffenwirkung. Allein die deutsche Stromversorgung lässt sich nicht gegen Cyberangriffe oder Anschläge schützen. Die Folgen solcher Angriffe wären gesellschaftliches Chaos und Kontrollverlust. Deshalb muss Krieg unter allen Umständen verhindert werden.

Es gilt deshalb, ein atomares Wettrüsten durch Rüstungskontrolle zu verhindern. Die internationale Architektur von Abkommen dazu wiederherzustellen, zu schützen und zu bewahren, wäre gegenwärtig die wohl dringlichste friedensdiplomatische Aufgabe. Priorität haben dabei folgende Vorhaben, die bei den Vereinten Nationen 2026 anstehen.

Im September 2026 kommen die Mitgliedsstaaten der UN in New York zur Überprüfungskonferenz des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrags zusammen. Der Vertrag trat 1970 in Kraft und 191 Länder haben ihn unterzeichnet. Minimalziel müsste sein, dass die Staatengemeinschaft den Vertrag in seinen Zielen und Verpflichtungen zumindest bekräftigt. Mehr ist bei der aktuellen Lage wohl nicht zu erreichen – diese Einschätzung hat auch Thomas Göbel, deutscher UN-Botschafter, jüngst bei der Genfer Abrüstungskonferenz kundgetan.

Es gilt, ein atomares Wettrüsten durch Rüstungs- kontrolle zu verhindern und Abkommen dazu zu schließen.Von Rolf Bader und Klaus Moegling

Es gilt, ein atomares Wettrüsten durch Rüstungs- kontrolle zu verhindern und Abkommen dazu zu schließen.

Von zentraler Bedeutung ist auch der Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen, der am 22. Januar 2021 in Kraft trat. 95 block-und atomwaffenfreie Staaten haben ihn inzwischen unterzeichnet, 74 ratifiziert. Der Abrüstungsvertrag weist den Weg in eine atomwaffenfreie Zukunft. NGOs wie IPPNW und ICAN leisten erfolgreich Lobbyarbeit. So gelingt es, dass immer mehr Staaten den Vertrag unterzeichnen und der Druck auf die Atomwaffenstaaten wächst.

Einflussreiche block- und atomwaffenfreie Staaten des Globalen Südens könnten so versuchen, die USA und Russland zu einer Verlängerung des „New-START“-Vertrags zu bewegen. Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen könnte sich dafür einsetzen, dass der Vertrag doch noch um ein Jahr verlängert wird. Wladimir Putin hat im vergangenen Jahr gesagt, Russland sei dazu bereit. Wenn ein neuer „START“-Vertrag ausgehandelt wird, sollte auch China einbezogen werden.

Auch der im August 2019 beendete INF-Vertrag, der alle landgestützten konventionellen und nuklearen Raketen mit Reichweiten zwischen 500 und 1500 Kilometern verboten hatte, müsste wieder neu verhandelt und eingesetzt werden.

Bei der aktuellen geopolitischen Weltlage wäre eine Stärkung der Vereinten Nationen, die Wahrung der UN-Charta, des Völkerrechts und der Menschenrechte notwendiger denn je! Dieser Verantwortung müssen sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, allen voran die Weltmächte USA, China und Russland, stellen.

Insbesondere ist hier auch das Recht zur Blockade in den höchsten Gremien der UN, insbesondere im UN-Sicherheitsrat, durch aggressive Staaten, wie Russland und die USA, abzuschaffen. Insgesamt sind eine Stärkung und eine Demokratisierung der Vereinten Nationen notwendig.

Rolf Bader ist Diplom-Pädagoge, ehemaliger Offizier der Bundeswehr sowie Mitglied und ehemaliger Geschäftsführer der Deutschen Sektion der Anti-Atomwaffen-Gruppe IPPNW.

Klaus Moegling ist habilitierter Politikwissenschaftler, er lehrte an verschiedenen Universitäten und Institutionen der Lehrerbildung, zuletzt an der Universität Kassel, und engagierte sich in der Friedens- und Umweltbewegung sowie in Bildungsinitiativen.

Menschen brauchen Frieden. Aber es herrscht Krieg in der Ukraine, und immer wieder auch in anderen Teilen der Welt. Welche Wege können zum Frieden führen?

In der FR-Serie #Friedensfragen suchen Expertinnen und Experten Antworten auf drängende Fragen. Dabei legen wir Wert auf eine große Bandbreite der Positionen – die nicht immer der Meinung der FR entsprechen.

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