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Ausgerechnet Dubai, ausgerechnet in Kriegszeiten

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02.03.2026

Ausgerechnet Dubai, ausgerechnet in Kriegszeiten

Stand: 02.03.2026, 14:10 Uhr

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Man gönnt sich ja sonst nichts. Und nun das: Hannes bangt um seine Familie im Luxusurlaub. Die Kolumne.

Eigentlich denkt man ja nie so recht daran, welche Auswirkungen so ein Krieg wirklich haben kann. Sie reichen weit ins Private, beeinflussen persönliche Schicksale und Lebenspläne – selbst bei Menschen, die nichts mit den Gefechtshandlungen zu tun haben. So zum Beispiel bei Hannes. Ich sei doch irgendwie bei der Zeitung, fragte er mich heute morgen und deckte mich, ohne meine Antwort abzuwarten, sofort mit Hintergrundinformationen zur Lage im Nahen Osten ein.

Hannes (ich bin zwar auf diplomatischem Parkett nicht sehr bewandert, habe aber seinen Namen sicherheitshalber geändert) ist so Anfang, Mitte vierzig und ein netter Kerl. Ich kenne ihn seit einigen Jahren, er räumt im Supermarkt um die Ecke Regale ein und nimmt manchmal Leergut entgegen. Hannes ist eigentlich stets guter Laune, heute aber blickte er finster drein. Warum? Sein Schwager.

„Der sitzt fest“, erzählte er. „In Dubai. Und seine Frau und die Kinder auch.“ Und er mache sich große Sorgen.

„Wieso Dubai?“, fragte ich naiv zurück und erntete einen verständnislosen Blick. „Ei Urlaub“, schnaubte Hannes, „die sind doch da in Urlaub.“ Er selbst habe ihm dazu geraten. Nun mache er sich Vorwürfe.

Aber schön sei es da. Nette Leute, gutes Essen, alles sauber. Drei Mal schon habe er zusammen mit der Gabi und den Kindern dort die Ferien verbracht. Immer super sei es gewesen, schöner als die Kreuzfahrten.

„Die Kreuzfahrten?“, fragte ich etwas verdattert zurück. „Klar“, so Hannes, „haben wir zwei Mal gemacht. Aber die Kähne hängen jetzt ja auch alle im Golf fest und werden beschossen. Furchtbar.“

Bevor ich mich zu wundern beginnen konnte, dass ein Lagerarbeiter Ferien im Luxus verbringt, fiel mir auf, dass ich ihm das gönne. Er schuftet auch viel dafür. Das erzählte er mir früher mal. Von Montag bis Samstag im Supermarkt, sonntags im Minijob bei einer Tankstelle und abends oft dieses und jenes. Und Gabi putzt halbtags Büros für eine Reinigungsfirma. Die zwei Kinder haben ja auch Ansprüche. Aber sie wohnen billig. Zwei Zimmer, Küche, Bad, irgendwo hinter Fulda. 500 warm. Ist halt weit zu fahren jeden Tag. Zwei Stunden hin, zwei zurück. Aber find‘ mal eine Wohnung in Frankfurt.

Hannes und Gabi sind zwei von den Zigtausenden, die täglich vom weiten Land ins Dickicht der Städte fahren, um denen zu dienen, die dort die Wohnungen bezahlen können – und oft weniger arbeiten. Sind nie krank. Keinen Tag seit Jahrzehnten.

Sie halten ihr Geld zusammen. Sparen jeden Cent, um zwei Wochen im Jahr so zu leben, wie sie meinen, dass die anderen das tun. Jene anderen, für die sie sich täglich abrackern. Sie verbringen diese Zeit auf Kreuzfahrtschiffen und in Luxushotels. Dort also, wo noch Ärmere ihnen dienen und dafür mit einem Hungerlohn abgespeist werden. Sie drehen den Spieß einmal um. Auch das sei ihnen vergönnt.

Dass ihnen Luxus nur vorgegaukelt wird, begreifen sie nicht. Sollen sie auch nicht begreifen. Warum auch. Und nun ist dort Krieg. Weil es angeblich um Menschenrechte geht, in Wahrheit aber um Öl. Öl und Macht, zwei Untrennbare.

Aber dieses Jahr, so Hannes, hätten sie mal was ganz anderes vor. Das sei aber teurer. Viel teurer. Egal. Sie wollten endlich mal an die Ostsee. „Man gönnt sich ja sonst nichts.“


© Frankfurter Rundschau