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Artenschutz kennt Grenzen

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14.07.2026

Jagd auf Wölfe : Artenschutz kennt Grenzen

Der Wolf ist zurück, und das ist zunächst eine gute Nachricht für den Artenschutz. Doch in einem dicht besiedelten Land kann der Schutz des Raubtiers nicht grenzenlos sein.

Es gehört zu den Eigentümlichkeiten der deutschen Naturdebatten, dass sie oft dort ins Schwärmerische kippen, wo Nüchternheit am nötigsten wäre. Kaum ein Tier steht so sehr für diese sentimentale Neigung wie der Wolf. Seine Rückkehr wird von vielen als kleine Wiedergutmachung der Geschichte gefeiert, als Triumph der Wildnis über die Zivilisation, als Zeichen dafür, dass die moderne Gesellschaft dem Verdrängten wieder Raum gibt. Daran ist zunächst nichts falsch. Der Wolf ist ein heimisches Wildtier. Dass er nach Deutschland und auch nach Hessen zurückgekehrt ist, ist biologisch interessant und naturschutzpolitisch bemerkenswert. Nur folgt daraus keineswegs, dass jede weitere Ausbreitung gutzuheißen oder dass grundsätzlich jeder Eingriff moralisch unvertretbar wäre.

Gerade der hessische Wolfsmanagementplan, der den Abschuss von bis zu 40 Prozent der Jungwölfe vorsieht, erinnert daran, was in der aufgeheizten Debatte gern verdrängt wird: Artenschutz ist kein Absolutwert. Er findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft, in einem Land mit Weidewirtschaft, Dörfern, Verkehrsachsen, Freizeitnutzung und berechtigten Sicherheitsinteressen der Bevölkerung. Deutschland ist nicht die Taiga, Hessen nicht die Tundra. Wer über den Wolf spricht, sollte das nicht vergessen.

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© Frankfurter Allgemeine