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Ohne deutschen Beistand

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tuesday

Irankrieg : Ohne deutschen Beistand

Außenminister Wadephul sagt auf Zypern, dass Deutschland da sein werde, wenn Zypern es brauche. Das ist aber genau jetzt, man nennt es Abschreckung.

Zypern ist kein Mitglied der NATO. Es ist ausschließlich Mitglied der EU, in der es nur noch vier Staaten gibt, die sich im Kriegsfall nicht auf die Schlagkraft der größten Militärallianz der Welt verlassen können. Artikel 5 ist seit Trump nicht mehr das, was er mal war, aber völlig abschreiben wird kein potentieller Angreifer die NATO. Auch ihre operationellen Fähigkeiten suchen ihresgleichen. Zypern ist also noch verwundbarer im Angesicht des Irankriegs als die Türkei, die in den vergangenen Tagen auch schon unter Beschuss kam.

Diesem Land bietet Deutschland nun keine militärische Unterstützung an. Man kann das mit den Umständen begründen: mit anderswo gebundenen Fähigkeiten der Bundeswehr oder den Einsätzen, die Frankreich, Griechenland und weitere europäische Staaten zum Schutz Zyperns unternehmen. Sogar die Niederlande wollen sich beteiligen, nicht gerade eine militärische Großmacht.

Das Kalkül in Teheran

Der deutsche Außenminister sagt dazu: „Wo Zypern Deutschland braucht, wird Deutschland da sein.“ Wann wäre das? Wenn Nikosia in Schutt und Asche liegt? Und was wollte man dann machen? Vergeltung üben gegen Iran?

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Die Wahrheit ist, dass Zypern Deutschland genau jetzt braucht, denn für das Kalkül in Teheran macht es schon einen Unterschied, was der größte EU-Staat tut und was er lässt. Man nennt das Abschreckung. Deutschland verlangt es für sich selbst immer völlig selbstverständlich von seinen Verbündeten.

Nikolas BusseVerantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.


© Frankfurter Allgemeine