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Ein Bundeskanzler ist kein Leitartikler

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06.05.2026

Streit mit Trump : Ein Bundeskanzler ist kein Leitartikler

Der „Außenkanzler“ hätte sich in der Iranfrage diplomatischer verhalten sollen. Der Streit schadet deutschen Interessen.

Es war eigentlich kein Kompliment, als Friedrich Merz (von den Medien) zum „Außenkanzler“ ernannt wurde. Die Beschäftigung mit der Außenpolitik sollte für jeden Bundeskanzler selbstverständlich sein. Die meisten Vorgänger von Merz sind für große, oft höchst strittige außenpolitische Entscheidungen in Erinnerung geblieben: Adenauer für die Westbindung, Brandt für die Ostpolitik, Schmidt für den NATO-Doppelbeschluss, Kohl für die Wiedervereinigung, Schröder für die Kriege im Kosovo und in Afghanistan, Merkel für die Eurorettung und die Flüchtlingspolitik.

Dass nun gerade der zehnte Bundeskanzler auf das Äußere reduziert wurde, war in Wirklichkeit Ausdruck einer seiner Schwächen: Ein „Innenkanzler“ war Merz bisher nicht. Seine verzweifelte Aussage, er habe keine Ermächtigung, die CDU umzubringen, zeigt, dass er in der schwierigen Reformdebatte inzwischen sogar mehr als Parteivorsitzender agiert, weniger als Kanzler. Deutschland braucht eine Reform an Haupt und Gliedern, die Merz aber nicht liefern kann. Das liegt in erster Linie an der Koalition, die weltanschaulich an zu vielen Stellen nicht zusammenpasst. Aber der Kanzler hat in seinem ersten Jahr im Amt doch den Eindruck erweckt, dass ihn die große Bühne der Weltpolitik mehr interessiert als........

© Frankfurter Allgemeine