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Der Mensch ist nicht zum Funktionieren da

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02.02.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz stört sich daran, dass die Deutschen angeblich zu oft krank sind. Zum Glück entscheidet darüber noch immer der Arzt.

Er hat es wieder getan. Die mit Populismus aufgeladene Debatte, ob die Deutschen „zu“ oft krank sind, geht mit Friedrich Merz in eine neue Runde. Das erinnert an den Herbst vor ein paar Jahren, als Merz behauptete, dass abgelehnte Asylbewerber den Deutschen die Termine beim Zahnarzt wegnähmen. Der Beleg, dass die Darstellung mit der Wirklichkeit auf deutschen Zahnarztstühlen nicht vereinbar ist, konnte damals schnell erbracht werden.

Inzwischen ist Merz Kanzler, fürs große Ganze zuständig, da liegt es nahe, auch in der Gesundheitspolitik von oben herab auf das System zu blicken und auf die Menschen, die es mit Leben füllen. In einer Rede hat Merz kürzlich auf den Krankenstand im Land verwiesen. Knapp 15 Tage pro Jahr war jeder Beschäftigte zuletzt arbeitsunfähig. Merz kleidete seine Kritik an diesem Zustand in eine rhetorische Frage: „Ist das wirklich notwendig?“

Und, ist es? Die Antwort hängt davon ab, ob man den Kanzler beim Wort nimmt. Wenn ja, dann lautet sie so: Die Entscheidung, ob ein Arzt seinen Patienten krankschreibt oder nicht, fällt im Behandlungszimmer. Das ist ein geschützter Raum, und das ist richtig so.

Die ärztliche Schweigepflicht ist die Grundlage für ein vertrauensvolles........

© Frankfurter Allgemeine