Pragmatisches Vorgehen, um den Rauschgiftsüchtigen zu helfen
Drogenszene in Darmstadt : Pragmatisches Vorgehen, um den Rauschgiftsüchtigen zu helfen
Die Stadt Darmstadt versucht gar nicht erst, die Drogenszene aus dem Herrngarten, dem Stadtpark in der Innenstadt, zu vertreiben. Richtig ist, dass sie den Abhängigen stattdessen Hilfe anbietet.
Schön ist sie wirklich nicht, diese eine Stelle im Herrngarten. Die Bauzäune, die dort stehen, passen nicht ins Bild des gepflegten, weitläufigen Stadtparks im Zentrum von Darmstadt. Doch die Zäune an dessen Westseite sind aufgestellt worden, um etwas zu verdecken, was noch weniger ins Bild passt: die Darmstädter Drogenszene. Die Süchtigen halten sich schon seit vielen Jahren in dem Park auf. Sie zu vertreiben, hätte nur den Effekt, dass die Drogenszene anderswo in der Innenstadt wieder auftauchte, wo man sie noch weniger sehen möchte. Niemand in Darmstadt kann sich wünschen, dass die Rauschgiftsüchtigen in Hauseingängen lagern und dort konsumieren.
Deshalb verfolgt die Stadtpolitik in Darmstadt einen pragmatischen Ansatz im Umgang mit den Abhängigen. Weil man sie als Kranke sieht, die Hilfe brauchen, hat die Stadt ihnen eine Hilfseinrichtung direkt angrenzend an den Herrngarten gebaut, das „Scentral“. Diesen Weg befürwortet eine breite Mehrheit unter den Stadtpolitikern. Das ist richtig, bei allem Verständnis für die Nutzer des Parks, die sich über die Drogenszene und ihre Begleiterscheinungen beschweren. Die Szene nimmt schließlich nur einen kleinen Teil des Parks in Beschlag.
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Richtig ist auch, dass die Stadt nun prüft, in Darmstadt einen Druckraum einzurichten. Darüber hinaus wird erwogen, einen Raum oder eine Zone unter freiem Himmel für den legalen Konsum von Crack zu schaffen. Denn dieses blitzartig wirkende und deshalb besonders gefährliche Rauschgift ist in den vergangenen Jahren in der Darmstädter Szene angekommen.
Ein Substitutionsmittel wie für Heroin gibt es für Crack bisher nicht. Ein Hoffnungsschimmer ist die neue Studie der Frankfurter Universitätsklinik, in der untersucht wird, ob sich mit einem ADHS-Medikament der Suchtdruck lindern lässt. Die Landesregierung ist immerhin pragmatisch genug, die Forschung mit bis zu zwei Millionen Euro zu unterstützen.
Jan SchiefenhövelRedakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
