Eine gedenkpolitische Blamage
Hinter dem Literaturhaus München wurde eine Installation zur Familie Mann aufgestellt, die Thomas Manns Bruder Heinrich weglässt. Das hat dieser nicht verdient.
München leuchtete. Das Verb steht hier, anders als im ersten Satz der Erzählung „Gladius Dei“, im Konjunktiv. Das ist ungefähr so gemeint: Hätte München Schamgefühl, dann würde es leuchten – vor lauter Röte. Das Leuchten, das Thomas Mann ganz unmetaphorisch mit dem besonderen Licht im Voralpenland erklärte, verdankt sich einer gedenkpolitischen Blamage, mit der die Stadt, in der Thomas Mann die Hälfte seines Lebens verbrachte, nicht zum ersten Mal auffällig wird.
Man erinnert sich an die zwanzig Jahre alte Posse, als an der Villa Poschinger Straße 1 diese Plakette angebracht wurde: „Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann (1875 – 1955) hatte hier sein Wohnhaus von 1913 bis 1952.“ Nur mit Haarspaltereien vermochte der örtliche Förderverein diese eigenwillige, das Exil,........
