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Inflationsschock

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30.03.2026

Steigende Preise : Inflationsschock

Die Inflation in Deutschland steigt von 1,9 auf 2,7 Prozent. Im Euroraum insgesamt dürfte es nicht viel anders aussehen. Noch einmal darf die EZB die Inflation nicht nach oben ausbrechen lassen.

Nein, die Inflation in Deutschland ist nicht auf zehn Prozent gestiegen. Gleichwohl ist eine Zunahme der Inflationsrate in innerhalb eines Monats von 1,9 auf 2,7 Prozent im März alles andere als belanglos. Sie reflektiert den starken Anstieg der Preise für Heizöl, Benzin und Diesel mit dem Irankrieg. Auf Jahressicht sind die prozentualen Preissteigerungen für alle drei Ölprodukte jetzt immerhin zweistellig. Für Verbraucher ist das sehr unerfreulich. Sie spüren das an der Tankstelle.

Kernrate der Teuerung stabil – noch

Bislang scheint der Ölpreisschock aber noch nicht das gesamte Preisgefüge erfasst zu haben. Zum Glück. Die Kernrate der Inflation, das ist die Teuerung ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel, verharrte auf 2,5 Prozent wie im Januar und Februar. Das muss allerdings nicht so bleiben. Aus den regelmäßigen Umfragen des Ifo-Instituts geht hervor, dass die Zahl der Unternehmen steigt, die ihre Verkaufspreise anzuheben gedenken. Das ist erfahrungsgemäß kein sehr zuverlässiger Indikator für die Inflationsentwicklung, aber es kann doch ein Warnsignal sein.

Sollte die EZB eingreifen? Im Euroraum insgesamt wird die Lage nicht viel anders sein als in Deutschland. Der frühere EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hat aber zu Recht hervorgehoben, dass es jedenfalls schlecht gewesen wäre, wenn die Notenbank schon im März die Zinsen angehoben hätte und sie womöglich im April wieder hätten senken müssen.

Nicht populistisch reagieren, sondern ruhig agieren

Die Stärke der Notenbank ist ihre Unabhängigkeit. Sie erlaubt es ihr, anders als die Politik nicht auf populistische Forderungen nach einem Eingreifen gegen den teuren Sprit zu reagieren. Ihr Mandat ist Preisniveaustabilität, daran muss sie sich orientieren.

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Es gilt jetzt also die Frage zu klären, ob aus dem Ölpreisschock ein breiterer Anstieg der Inflation wird. Das ist nicht so leicht; wenn man es sicher weiß, kann es zu spät sein.

Die Erfahrung aus der Inflationswelle 2022/2023 ist, dass man nicht zu lange warten sollte. Es gilt jetzt insbesondere sogenannte Zweitrundeneffekte – also andere Preise, die auf die teurere Energie reagieren – genau im Blick zu haben. Noch mal darf die EZB die Inflation nicht nach oben ausbrechen lassen.

Christian SiedenbiedelRedakteur in der Wirtschaft.

Redakteur in der Wirtschaft.

Teures Benzin, teures Heizöl, teures Gas: Die Inflation in Deutschland legt durch den Ölpreisschock kräftig zu. Wo spüren Verbraucher das außerdem?

Otmar Issing war acht Jahre lang Chefvolkswirt der Bundesbank und acht Jahre Chefvolkswirt der EZB. Auch danach ist er eine Instanz geblieben.

Auf der Konferenz „The ECB and Its Watchers“ wird über die angemessene Reaktion der Geldpolitik auf den Ölschock diskutiert. Gibt es bald eine Leitzinserhöhung?


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