Trumps Kehrtwende
Iranische Kurden : Trumps Kehrtwende
Nicht nur Merz atmet auf: Plötzlich findet der US-Präsident doch keinen Gefallen mehr an einem iranischen Bürgerkrieg zwischen ethnischen Milizen. Woher der Sinneswandel?
Ach, wäre es nur immer so einfach mit Trump. Kaum war Kanzler Merz nach Tagen des wohlwollenden Herumeierns auf Distanz zum Irankrieg gegangen und hatte vor dem „Zusammenbruch iranischer Staatlichkeit“ gewarnt, da legte der US-Präsident eine 180-Grad-Wende hin.
Von einem Eindringen bewaffneter Kurden in Iran, das Trump der Welt vorige Woche noch als „wunderbare“ Möglichkeit ausgemalt hatte, will er nichts mehr wissen; der Krieg solle nicht „noch komplizierter“ werden. Das ist eine erschreckend beiläufige Art, einem Bürgerkrieg bewaffneter Milizen abzuschwören – aber eine gute Nachricht, auch für die Europäer. Sie mussten ein Libyen- oder Syrien-Szenario samt Massenflucht fürchten.
Manche haben Lektionen aus dem „Krieg gegen den Terror“ gelernt
Doch wird Merz selbst nicht glauben, er hätte Trump zum Sinneswandel bewegt. Der Kanzler wehrt sich zwar gegen Anwürfe, er sei vor laufenden Kameras im Oval Office zu freundlich gewesen. Er behauptet aber selbst nicht, dass er Trump unter vier Augen die Leviten gelesen hätte. Deutschland hat dafür auch gar keinen Hebel, im Gegenteil: Europa ist auf einen gnädigen Trump angewiesen, der am Persischen Golf nicht zu viele seiner wertvollen Raketen verschießt.
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Die Kehrtwende deutet eher darauf hin, dass es auch in der US-Regierung noch Leute gibt, die ihre Lektionen aus dem „Krieg gegen den Terror“ gelernt haben. Jetzt müssen sie Trump nur noch beibringen, wie ein Putin ins Gesamtbild passt, der die Iraner mit Aufklärung päppelt.
Andreas RossVerantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.
Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.
