Sie reißt uns in ihre Geschichte hinein
Berlinale-Bilanz : Sie reißt uns in ihre Geschichte hinein
Die Filmfestspiele enden mit einem Sieger und einer Siegerin aus Deutschland. Auch in diesem Jahr hat die Berlinale die Kurve gekriegt, aber in Zukunft braucht sie mehr als Rückgrat und Glück. Eine Bilanz.
Ein Dreivierteljahrhundert gibt es die Berlinale schon – damit reicht sie nicht ganz an das Alter des greisen Paares in Lance Hammers Demenzdrama „Queen at Sea“ (und an das seiner Darsteller) heran, aber es fehlt auch nicht mehr viel. Das Festival hat also Tradition, und es besitzt Erinnerungen, die immer goldener werden, je weiter sie zurückliegen: an die Zeit des Kalten Krieges, als sich in Berlin die Hollywoodstars die Klinke in die Hand gaben, an die Jahre danach, als Ost und West zusammenkamen, um gemeinsam Filme zu schauen, an die Zeit nach der Jahrtausendwende, als sich die Berlinale im Glanz der Globalisierung sonnte und wie das wahre Zentrum des Weltkinos aussah.
Diese Zeiten sind vorbei. Man sieht es an der Liste der Filmnationen, die in diesem Jahr – neben Hollywood, das Berlin schon lange links liegen lässt – im Wettbewerb fehlten: China, Indien, Frankreich, Italien, Spanien, fast ganz Skandinavien und der gesamte Ostblock. Die Lage sei „herausfordernd“, sagt dazu die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle, was eine milde Umschreibung der Tatsache ist, dass die Filmfestspiele nahe daran sind, aus der A- in die B-Klasse der Festivals abzusteigen, mindestens, was ihr Hauptprogramm betrifft. In den Nebensektionen, natürlich, ist Berlin immer noch stark, hier versammelt sich das Kino, das jung, wagemutig und meinungsstark ist, hier werden Talente entdeckt, die anderswo kaum eine Bühne fänden. Aber wenn es die einen oder die anderen dann geschafft und sich einen Namen gemacht haben, dann ziehen sie immer öfter weiter nach Cannes, Venedig oder Toronto, wo die Stars zahlreicher, die Sonnentage häufiger sind und die Geschäfte der Branche florieren.
Das ist nicht Tricia Tuttles Schuld. Für den Wintertermin und die Marktbedingungen kann sie nichts,........
