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Die Winterhauptstadt des Weltkinos

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sunday

Drei Frauen, Großmutter, Mutter und Tochter. Die Tochter hat sich in ihre Lehrerin verliebt; die beiden anderen lesen, Monate später, ihr Tagebuch einer Affäre, die keine war. Sie reden über das Manuskript und über das, was es bei ihnen ausgelöst hat: Erinnerungen, Wünsche, Sehnsüchte. Dazu sieht man in Rückblenden, was eigentlich passiert ist: ein paar Umarmungen und Streicheleinheiten, ein bisschen Strickunterricht. Aber natürlich ist sehr viel mehr geschehen, nicht an der Oberfläche, sondern innen, in den Herzen, im Kopf.

Dag Johan Haugeruds Film „Drømmer“ ist eine vielschichtige und wunderbar selbstironische Kino-Parabel über Liebe und Erwachsenwerden, das alte Spiel zwischen den Generationen und den ewigen Konflikt zwischen Worten und Bildern. Am Samstagabend bekam Haugerud dafür den Goldenen Bären der diesjährigen Berlinale. Das ist eine gute Entscheidung, auch wenn es mindestens zwei andere Filme im Wettbewerb gab, die den Hauptpreis des Festivals ebenso verdient gehabt hätten.

Etwa Mary Bronsteins „If I Had Legs I’d Kick You“ über eine Psychotherapeutin und Mutter am Rand des Nervenzusammenbruchs. Oder „Living the Land“, Huo Mengs Chronik einer Dorfgemeinschaft Anfang der Neunzigerjahre, die so geduldig wie präzise den Aufbruch des ländlichen China aus dem Mittelalter in die digitale Moderne beschreibt.........

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