Die Berlinale steht am Abgrund
Krise der Filmfestspiele : Die Berlinale steht am Abgrund
Der Abgang von Tricia Tuttle als Intendantin der Berliner Filmfestspiele bleibt ein Gerücht. Aber das Festival steckt dennoch in einer Krise, die seine Existenz bedroht – und der Schaden ist längst da.
Tricia Tuttle leitet die Berlinale. Noch. Aber die Filmfestspiele, denen sie als Intendantin vorsteht, sind schwer beschädigt, selbst dann, wenn Tuttle nicht (wie zu befürchten ist) in den nächsten Tagen ihren Rücktritt erklärt. Denn das Festival hat jetzt nur noch die Wahl zwischen einer abgegangenen und einer angeschlagenen Chefin. Beides ist fatal für eine Kulturveranstaltung, die derzeit mehr denn je darauf angewiesen ist, Stärke zu zeigen – in politischer wie in künstlerischer Hinsicht.
Es geht, wie jedes Mal seit dem 7. Oktober 2023, um den Nahostkonflikt. Schon im Februar 2024 war die Abschlussgala der damaligen Berlinale von antiisraelischen Kundgebungen begleitet; auf der Bühne, auf der die Preise verliehen wurden, war von „Genozid“, „Apartheid“ und deutschen Waffenlieferungen die Rede, schon damals wurden Palästinensertücher vorgezeigt.
Seinerzeit amtierten noch Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian als kaufmännisch-künstlerisches Führungsduo, eine Kombination, die zu Beginn als Glücksgriff, mit zunehmender Dauer aber als Modellfall geteilter Verantwortungslosigkeit erschien. Dann kam Tuttle, und mit ihrem Amtsantritt machte sich die Hoffnung breit, die Filmfestspiele könnten aus ihrer strukturellen Krise herausfinden – der Krise ihres Ansehens, die durch die Debatten um Chatrians Ablösung befeuert wurde, und derjenigen ihres Programms, in dem der Wettbewerb immer weniger herausragende Filme und die „Special“-Galas immer mehr mittlere Mainstream-Ware boten.
Eingriffe von außen verdunkelten das Festival
Und Tuttle lieferte. Die Berlinale des vergangenen Jahres war ein Neuanfang, ein Festival im Comeback-Modus, das auch durch die Verlesung eines antisemitisch getrimmten Absagebriefs in einer Nebenreihen-Vorführung und die propalästinensischen Ausführungen der Ehrenpreisträgerin Tilda Swinton nicht aus dem Takt geriet. Der Wettbewerb wirkte weniger beliebig als sonst, das Rahmenprogramm vereinte Hollywood- und Autorenfilme, Robert Pattinson und Edgar Reitz. Für dieses Jahr durfte man mit einer........
