Der große Wurf steht noch aus
Homeoffice wegen hoher Spritpreise: Besser anders entlasten
Der große Wurf steht noch aus
Mehr Homeoffice wegen der hohen Spritpreise? Das mag für einige wenige eine gute Idee sein. Das Grundproblem wird dadurch aber nicht gelöst.
Eigentlich ging die Debatte gerade in eine andere Richtung. Homeoffice, das fanden nicht wenige Arbeitgeber, sollte eher wieder reduziert werden. Nachdem viele Firmen im Zuge der Corona-Pandemie ihre Regelungen erst gelockert hatten, folgte zuletzt das Gegenteil: Konzerne wie Otto verschärften ihre Regeln für das Arbeiten vom heimischen Schreibtisch wieder.
Das war allerdings, bevor der Iran-Krieg ausbrach und mit ihm die Straße von Hormus de facto gesperrt wurde. Durch die wichtige Meerenge im Persischen Gold wird etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls transportiert. Eigentlich. Dass das gerade nicht passiert, spüren wir alle. Die Preise an den Tankstellen sind hochgeschossen. Und Entspannung ist derzeit nicht in Sicht.
Asiatische Länder weiten Homeoffice aus
Jetzt ist die Situation also eine andere. Kein Wunder, dass Forderungen lauter werden, Sprit einzusparen. Eine Idee: Mehr Homeoffice. Je weniger Menschen ins Auto steigen müssen, um zur Arbeit zu fahren, desto weniger Sprit wird verbraucht, so das Argument. Die Blaupause liefern Länder in Asien, die allerdings auch deutlich größere Sorgen vor Engpässen haben als die Menschen in Europa.
Thailand oder Malaysia halten ihre Staatsbediensteten bereits dazu an, möglichst von zu Hause zu arbeiten. Hierzulande ist es der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der die Arbeitgeber dazu aufruft, ihren Beschäftigten die Wahl zu geben, ob sie im Büro oder im Homeoffice arbeiten wollen.
Ressourcen werden gespart
Das ist auch richtig so, denn es stimmt: Jeder Kilometer, der nicht gefahren wird, spart Ressourcen. Die Internationale Energieagentur spricht sich ebenfalls für mehr Heimarbeit aus. Dass Millionen Menschen davon nichts haben, weil sie in Krankenhäusern oder auf Baustellen arbeiten, ist zwar auch klar. Ein Argument dagegen, die Regeln für alle zu lockern, ist das aber nicht. Zumal es die Mitarbeiterzufriedenheit stärken dürfte, wenn Beschäftigte wissen, dass ihr Arbeitgeber in solchen Zeiten ihre finanziellen Nöte mitdenkt.
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Viel darf man sich aber nicht davon versprechen, wenn man auf Entlastung hofft. Erstens dürften von einer Ausweitung der Homeoffice-Regeln, wie gerade skizziert, zu wenige Menschen profitieren. Zweitens ändert ein Homeoffice-Tag mehr in der Woche nichts an den Spritpreisen per se. Dazu müssten schon andere Hilfen kommen – und hier ist die Politik eher gefragt als einzelne Arbeitgeber.
Bisher eher eine Beruhigungspille
Die Preise an den Tankstellen dürfen nur noch einmal am Tag ansteigen. Die Bundesregierung hat also verstanden, dass sie den hohen Spritpreisen etwas entgegensetzen muss. Die Wut an den Tankstellen ist sonst zu groß. Allerdings wirkt das, was sie bisher auf den Weg gebracht hat, mehr wie eine Beruhigungspille als eine wirkliche Entlastung für die Breite der Bevölkerung. Die ersten Schritte mögen gemacht sein. Der große Wurf aber steht noch aus.
