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Die AfD leugnet ihre Sinnkrise

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23.02.2026

Kommentar zum AfD-Bundesvorstand: Die Partei leugnet ihre Sinnkrise

Die AfD leugnet ihre Sinnkrise

Am Montag kommt der Bundesvorstand zur Krisensitzung zusammen. Es geht um die mutmaßlich kriminellen Machenschaften in Niedersachsen – aber längst schon um viel mehr. An Aufklärung ist nicht zu denken.

Vettern- und Günstlingswirtschaft, gar ein „finanziertes Terrornetzwerk“ – täglich werden neue dubiose Anstellungsverhältnisse im AfD-Kosmos bekannt. Was in Sachsen-Anhalt begann, betrifft inzwischen fast alle Landesverbände und den Bundestag. Längst geht es nicht mehr um skurrile Einzelfälle, sondern um systemisches, kriminelles Verhalten.

Im Landesverband Niedersachsen haben Abtrünnige dieses System dokumentiert: Wer auf aussichtsreiche Listenplätze kommen wollte, musste angeblich einen festen Prozentsatz seiner künftigen Personalpauschale als Abgeordneter dem Netzwerk um den AfD-Landesvorsitzenden Ansgar Schledde versprechen. Scheinbeschäftigungen und Gefälligkeitsanstellungen waren die Folge. Die Europaabgeordnete Anja Arndt wird die Vorwürfe am Montag dem Bundesvorstand der Partei vortragen, auch Schledde ist zur Krisensitzung einbestellt.

Aufräumen? Warum denn?

Räumt die Parteispitze nun auf? Unwahrscheinlich. Die heftig pubertierende, vor 13 Jahren gegründete Partei verhält sich da nicht anders als jeder Teenager.

Ein harter Schnitt, eine wirkliche Aufklärung, auch nur eine ehrliche Bestandsaufnahme scheinen vorab bereits ausgeschlossen. Denn im Sommer stehen Vorstandswahlen an. Alice Weidel und Tino Chrupalla wollen für zwei weitere Jahre an die Spitze gewählt werden – da dürfen sie keine einflussreichen Verbündeten vor den Kopf stoßen.

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Die Rechtspartei ist in einem Dilemma gefangen: Alles, was sie bei den „Altparteien“ anprangerte – Klüngelei, Seilschaften, Untreue – findet sich bei ihr in potenzierter Form. Ihr rasantes Mandatswachstum in den vergangenen Jahren führte dazu, dass jede Menge Staatsgeld zu verteilen war. Sie steckt jetzt in einer existenziellen Sinnkrise. Vermutlich wird sie reagieren wie immer: abstreiten, kleinreden, weiterwurschteln. Bis der Wähler sie irgendwann doch einmal bestraft.


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