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Trump hin oder her: Europa braucht den Partner USA

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13.02.2026

Es war das reine Fiasko. Anstatt zusammen Front gegen Russlands Staatschef Wladimir Putin oder das iranische Regime zu machen, teilte der US-Vizepräsident gegen die befreundeten Europäer aus. Der abenteuerliche Auftritt von JD Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz vor einem Jahr hallt in den transatlantischen Beziehungen bis heute nach. Und was droht heuer? Kommt die nächste Provokation aus Washington – als ein weiterer Nagel im Sarg des gemeinsamen Bündnisses?

Statt Vance hat sich dieses Jahr US-Außenminister Marco Rubio in München angesagt. Er gilt in der Regierung Trump noch als einer derer, die am moderatesten gegenüber den Europäern auftreten. Und zuletzt kamen auch wieder verbindlichere Töne aus Washington. Doch allein, dass europäische Politiker die Frage umtreibt, was der Vertreter der USA dieses Mal von sich geben könnte, zeigt, wie zerrüttet das Verhältnis ist.

Trump hat Europäer mit kaltem Wasser geweckt

Klar ist: Unter Donald Trump sind die USA – im besten Fall – kein verlässlicher Partner mehr. Im schlechtesten Fall ein neuer Gegner in einem weltpolitischen Umfeld, in dem die EU-Staaten schon jetzt von Russland militärisch und von China wirtschaftlich unter Druck gesetzt werden.

Dass die Europäer endlich mit vereinten Kräften schauen müssen, wo sie bleiben, ist schon seit Längerem kein Geheimnis. Das galt bereits vor Donald Trumps zweiter Amtszeit. Doch Trumps derzeitiges Verhalten ist wie ein Kübel eiskaltes Wasser, das sich über die Europäer ergossen hat. Sie stehen nun klatschnass da, endgültig aus ihrem Schlaf gerissen und auf der verzweifelten Suche nach der richtigen Reaktion.

Zynische Machtpolitik in Afrika

Die Europäer müssten die Sprache der Machtpolitik erst lernen, sagen Politiker wie der deutsche Kanzler Friedrich Merz. Doch das stimmt so nicht. Dass sich europäische Staaten zu fein für Machtpolitik seien, wirkt wie eine Schutzbehauptung. Länder wie Frankreich oder Großbritannien setzen immer wieder beinhart ihre Ziele um. Sie arbeiteten dabei sogar gegeneinander. So unterstützten etwa Franzosen und Briten bei den verheerenden Kriegen in Ostafrika die Truppen der jeweils anderen Seite. Und im Bürgerkrieg in Libyen nach dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi mischten Frankreich, Großbritannien und Italien bei unterschiedlichen Konfliktparteien mit. Dieses zynische Vorgehen zeigt zwei Dinge: Das brutale Pochen auf eigene Interessen ist den Europäern keineswegs fremd. Aber auch nicht ein Agieren gegen die eigenen Verbündeten in Europa, wenn man sich davon nationale Vorteile verspricht.

Von einer starken Nato-Partnerschaft profitieren alle

Jetzt ist aber mehr denn je Einigkeit gefragt. Beim Auftreten gegenüber Russland, China und den USA und beim Suchen von Partnern im internationalen Konzert. Bei der Umsetzung gemeinsamer Interessen – die auch möglich ist ohne den extremen Zynismus, den europäische Staaten etwa in Afrika an den Tag gelegt haben. Und Einigkeit ist auch nötig bei den Anstrengungen in der Sicherheitspolitik, dem längst überfälligen Ausbau der eigenen Verteidigungsfähigkeit. Unabhängig davon, wer nach Trump im Weißen Haus regieren wird.

Klar ist aber: Auch ein selbstständiges Europa muss alles daran setzen, gute Beziehungen zu den USA zu wahren. Von einer starken Partnerschaft innerhalb der Nato profitieren alle, die Europäer und die USA. Trotz aller Volten der Trump-Regierung sind die Gesprächsfäden zu den USA noch nicht abgerissen. Das zeigt auch die große Delegation amerikanischer Abgeordneter, die heuer zur Münchner Sicherheitskonferenz angereist ist. Ziel muss sein: Ein geeintes, selbstbewusstes Europa, das sich um seine eigene Sicherheit kümmert. Und das zugleich ein enger Partner der USA ist.

Email: wieland.schneider@diepresse.obfuscationcom

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