Hopfen und Malz verloren: Die skandalösen Bierbecherwerfer der Bundesliga
Ohne Bier und Wurst kommt ein Fußballfan hierzulande im Stadion nur sehr selten aus. Ohne, das sagen fast alle, gehe es eben nicht. Warum dann aber immer wieder einige diesem Credo widersprechen und sich kurzerhand, ob in der Emotion, patscherten Momentaufnahme oder im verblendeten Verlangen eines ganzen Blocks, von ihrem Getränk trennen und es auf den Rasen, auf Spieler, Trainer oder Schiedsrichter werfen? Es ist ein entbehrliches Schauspiel. Und, es hat obendrein einen stolzen Preis.
Den Anlass einer landesweiten „Presse“-Umfrage bei zwölf Bundesligaklubs lieferten die Anhänger des SV Ried, die sich im Cup-Halbfinale an Lask-Trainer Dietmar Kühbauer stießen und als Bierwerfer übten. Die Preisspirale pendelt sich zwischen 4,90 und 5,7 Euro ein; nicht eingepreist ist der pro Wurf verlorene Pfand. Das billigste Stadion-Bier erhält man aktuell in Hartberg, ein Krügerl (Stiegl) schlägt hier mit 4,90 € zu Buche. Die teuerste „Halbe“ gibt es bei Blau-Weiß Linz: 5,7 € für ein „Original“, der Vertrag mit Linzer Bier wurde soeben verlängert. Weiters: Rapid (5,60 €; Gösser), RB Salzburg (5,4 €, Stiegl), Sturm Graz und GAK (5,20 €, Puntigamer), Austria (5,2 €, Schwechater), Lask (5,5 €, Zipfer), SV Ried (5 €, Baumgartner), WSG Tirol (5,5 €, Zipfer), Altach (0,4 l; 4,9 €, Fohrenburger) und WAC (5,5 €, Puntigamer).
Gäste, Freunde oder neue Bekanntschaften flott mit frisch Gezapftem zu bedenken, imponiert, es ist eine freundliche Geste, ein Akt der Begrüßung. Im Sport aber ist und bleibt ein auf das Spielfeld geworfener Bierbecher immer ein Wurfgeschoß. Dieses offenbar dringende, unstillbare Verlangen bereitet auch in der soziologischen Betrachtung einen Hauch Aufklärung. Bier gilt in der Werbung als Kommunikationsbeschleuniger, es kann Gemeinschaft und Zusammenhalt stiften etwa im Diskurs um Marken. Bloß in verschütteter Form ist es ein Ärgernis mit klebriger, keinesfalls wohlriechender Nässe.
Hopfen und Malz verloren
Hopfen und Malz dienen als „Blitzableiter“ für Wut, Zorn, Protest und Jubel? Dazu laufen Phänomene der Mitläufer oder Gruppendynamik einher, über das zusehends ausufernde Stadion-Ritual wird weltweit gerätselt. Schwerwiegender dann, sobald Wurfgeschosse (selbst weiche Einwegbecher) für Verletzungen, Unterbrechungen oder Spielabbrüche sorgen. Dann wäre die Justiz am Ball, nein: Becher.
Weil der Wurf des „Matchday-Bieres“ eben kein rein österreichisches „Kulturproblem“ ist, interessiert der Blick über die Grenze oder in andere Ligen. Beim FC Bayern werden 5,9 € (Paulaner) fällig. Beim FC Arsenal kostet ein Pint (0,568 Liter) sieben Pfund, also knapp acht Euro. Populär ist der Auftritt von Manchester United: „Old Trafford“ hat tatsächlich das billigste Pint im „Fußball-Mutterland“ für 5,75 Pfund. Allerdings, und da haben die Engländer einen Schritt weitergedacht: Alkohol ist auf Stadiontribünen seit 1985 verboten. Das wird auch von Stewards bei den Aufgängen kontrolliert. In Spanien und Frankreich ist das Problem anders gelöst: Es gibt gar keine alkoholischen Getränke im Zuschauerbereich, sondern nur in VIP- und Hospitality-Bereichen, erzählte unlängst der Sportreisen-Experte Christian Pramberger (fussballreisen.com).
Wo garantiert kein Becher fliegen wird, weil man sonst selbst augenblicklich aus dem Stadion fliegt oder mit einem Nachspiel vor Gericht rechnen muss, ist bei der Fußball-WM in den USA. Hier hat Sport an sich schon eine ganz andere Kultur – und schwer gesalzene Preise. In den für die Fifa-WM gebrandeten Football-Stadien kostet ein Bier bis zu 20 Dollar. Warum nicht: Bei einem NHL-Eishockeyspiel in Las Vegas waren im vergangenen Oktober – allerdings pro 0,5-l-Dose – 20 Dollar fällig. Bei der WM ist der Wurf eines Bierbechers endgültig sinnbefreit.
E-Mails: markku.datler@diepresse.obfuscationcom
»Was Österreicher von der Fußball-WM lernen müssen? Bier trinkt man, man wirft es nicht auf den Rasen.«
»Was Österreicher von der Fußball-WM lernen müssen? Bier trinkt man, man wirft es nicht auf den Rasen.«
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