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Forensische Wirtschaftsprüfung bestätigt Austria-Vorstand

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12.03.2026

Der Wirbel in Favoriten war groß, als eine eidesstattliche Erklärung eines Spielervermittlers Austrias Finanzvorstand Harald Zagiczek unterstellte, Kick-Back-Zahlungen und Provisionen einzuverlangen. Zudem warf er den Vorwurf der Untreue in den Raum und parallel dazu wurde auch Ex-Sportvorstand Jürgen Werner belastet. Der Investor soll bei Spielertransfers mitgeschnitten haben – beide bestritten auch gegenüber der „Presse“ jegliche Verfehlungen und begrüßten die vom Austria-Vorstand angehend eingeleitete Untersuchung durch eine externe Wirtschaftsprüfung. Nun liegen alle Ergebnisse der „forensischen Prüfung“ durch Ernst & Young vor: Beide Anschuldigungen sind „substanzlos“.

Über die Beweggründe, warum der Ex-Spielerberater Josko Rokov, der seit Jahren in Graz lebt und von dort aus seine Geschäfte führt, über einen Welser Anwalt diese Erklärung einreichte, kann weiter nur gerätselt werden. Vor allem, wenn sie nun obendrein auch noch entkräftet sind. Rokov war seitens der Austria in die Verhandlungen mit einem potenziellen US-Investor involviert, weil Zagiczek geforderte Daten zur Finanzsituation ohne indikatives Angebot nicht freigab, kam man über Kreuz. Ob das geplatzte Geschäft samt ausgefallener Provisionen der Anlass war? Rokov war seitdem für die „Presse“ nicht mehr erreichbar, E-Mails blieben unbeantwortet.

Ernst & Young: Keine Indizien

Was aber ist eine „forensische Untersuchung“? Im Rahmen der forensischen Untersuchung wurden Vertragsdokumente, E-Mail-Postfächer, Laptop- und Smartphone-Daten sowie Chatnachrichten sichergestellt und umfassend analysiert. Dazu gab es Befragungen zahlreicher interner und externer Gesprächspartner, sowohl Zagiczek als auch Werner wurden zu Gesprächen geladen. Ernst & Young fand keine belastbaren Indizien oder Hinweise. Für den Finanzvorstand endet damit eine „persönlich sehr harte Zeit“, all die Vorwürfe und Anschuldigungen, vor allem das öffentliche Auftauchen dieser Papiere hinterließen belastende Spuren. Dass freilich berufliche Rolle und privates Feld betroffen waren, betonte er im Gespräch mit der „Presse“, die ebenso darüber berichtet hatte.

Nun wolle er durchatmen, sich auf Austria konzentrieren. Aber daran gebe es kein Umhinkommen: Die in Wien gegen den Vermittler eingereichte Privatanklage wegen Übler Nachrede bleibe aufrecht.

Nun sei der Sachverhalt geklärt und die Hoffnung am Verteilerkreis ausnahmslos die laut Zagiczek: Dass man nur noch über Fußball rede. Und internen Differenzen sowie Zwischenrufen von außen keine Relevanz mehr beigemessen werden. Austria hat die Meistergruppe erreicht, hat die Chance auch in dieser Saison wieder vorne zu landen respektive sich für den Europacup zu qualifizieren.

Jetzt alle Kraft gegen Sturm Graz

Am Sonntag startet die erste von zehn Runden in den Top 6, ist Titelverteidiger Sturm Graz in Favoriten zu Gast. Während die Ermittlungen liefen, war auch die Deadline erreicht für die Übergabe der Lizenzunterlagen. Das habe FAK frist- und formgerecht getan, so der Finanzvorstand, der felsenfest davon ausging, dass Austria zum dritten Mal in Folge in erster Instanz die Spielberechtigung in der höchsten Liga erhalten werde. Es gab Zeiten, da war diese Selbstverständlichkeit in Favoriten falsch abgebogen.

Womit ein Stichwort gefunden ist: Falsch abgebogen. Warum eine Gruppe von „Fans“ vergangenen Sonntag vor Jürgen Werners Haus aufgetaucht war und für Wirbel gesorgt hatte mit Transparent und Schrieb für die Nachbarschaft, ist weiterhin rätselhaft. Auch hierzu sollen im Hintergrund Prüfungen und Ermittlungen laufen, inwiefern strafrechtlich relevante Aspekte (Beleidigung, Üble Nachrede, Hausfriedensbruch etc.) vorliegen. Austria hatte sich klar davon distanziert, es als „No-Go“ bezeichnet.

E-Mails: markku.datler@diepresse.obfuscationcom

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