Den Problemhaufen in überschaubare Teile zerlegen
Wir feiern nun schon die sechsten Ostern in Folge, zu denen das höchste christliche Kirchenfest von Durchhalteparolen überlagert wird. Doch von Mal zu Mal schwindet merklich die Überzeugung, alles könnte einfach so wieder gut werden.
Der Iran-Krieg scheint die fragil gewordene Weltordnung nun ausgerechnet an jenen Sollbruchstellen einem weiteren Belastungstest zu unterziehen, die durch die Krisenkaskade der 2020er ohnehin schon überklar zu Tage getreten sind: zwischen Demokratien und Diktaturen; zwischen Verfechtern der alten und einer neuen Weltordnung; zwischen jenen, die sich in ihren Interessen nicht durch Völkerrecht und Staatsgrenzen beschränken lassen wollen, und denen, die aus gutem Grunde auf beides pochen; zwischen – und es ist immer noch ungewohnt, das so hinzuschreiben – Europa und den USA; und – mehr denn je – zwischen christlich-jüdisch geprägten und muslimischen Gesellschaften.
Dass diese Risse alles andere als trennscharf sind, sondern innerhalb der genannten Blöcke noch einmal kreuz und quer gehen, macht die Lage beängstigend unübersichtlich. Deswegen mit hängenden Schultern zu verharren, macht aber nichts besser. Wohl aber hilft es, den diffusen Problemhaufen in seine überschaubaren Teile zu zerlegen. Da wird schnell klar, dass weder die personelle Besetzung des Kreml noch des Weißen Hauses in heimischer Hand liegt und auch zum Entkorken der Meerenge von Hormus die Donaudampfschifffahrt eher wenig wird beitragen können.
Allerdings hat es Österreich zum Beispiel sehr wohl in der Hand, sich so energieautark wie möglich aufzustellen. Die Ingredienzien dafür sind altbekannt: statt fossiler Brennstoffe besser erneuerbare Energie mit dem Asset Wasserkraft im Talon. Umso mehr verwundert es, dass der Bevölkerung vier Jahre nach dem Ende des russischen Erdgaszaubers langatmig erklärt werden muss, wie man welche Energie wann sinnvoll einsetzt und möglichst wenig davon verbraucht.
Und warum die Regierung ernsthaft glaubt, einer potenziellen Vervielfachung des Energiepreises mit einem 10-Cent-Deckel ausgerechnet auf Benzin und Diesel entgegentreten zu können. Dass die Mittel dafür je zur Hälfte aus der roten (Steuern) und der schwarzen (Margen) Sphäre kommen, ist so ärgerlich wie bezeichnend. Dass die Neos dabei Spalier stehen, schlicht unerklärlich. Die traurigste Form des Populismus ist freilich jene, die sich nicht einmal im Wahllokal auszahlt.
»Die traurigste Form des Populismus ist freilich jene, die sich nicht einmal im Wahllokal auszahlt.«
»Die traurigste Form des Populismus ist freilich jene, die sich nicht einmal im Wahllokal auszahlt.«
Von Wien aus ändern kann man auch die eigene Sicherheitspolitik, die neben der Energiefrage ins Zentrum rückt. Was sich da jüngst rund um die demnächst auszurangierenden Eurofighter so abspielt, lässt wenig Vertrauen in die handelnden Personen zu. Statt nämlich die Lage Österreichs in der Welt zu analysieren, neue Bündnisoptionen zu prüfen und die Bestellung militärischen Geräts auf die gewählte Strategie abzustimmen, streitet der Finanzminister mit der Verteidigungsministerin ums Geld für Jets. So simpel ist das. Die Neutralität ist keine gute Option, die Nato zerbröselt gerade, warum nicht mit Verve im Rahmen der EU an etwas Neuem mitbauen?
Und dann ist man drittens schon bei staatlichen Strukturen, die in unsicheren Phasen mehr als sonst agil sein müssen. Aber da ist es freilich einfacher, Statements zur Weltlage abzugeben, als in St. Pölten, Linz und Graz Substanzielles auszuverhandeln.
Auch zu Ostern sollte man auf Wunder nämlich nur in Ausnahmefällen zählen und für den Anlass zur Hoffnung besser selber sorgen. Dann gibt es auch Grund zur Zuversicht.
E-Mails an: florian.asamer@diepresse.obfuscationcom
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