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Mensch und Maschine

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28.08.2026

„Wir sind die Roboter“, „Sie ist ein Model“? Vorhang auf für Kubankes Kraftwerk Kolumne samt Interview mit Karl Bartos:

Deshalb: Wird echt Zeit!

Ulf Legt man die eigene Musik traditionell an, meckern die einen. Macht man was Trendiges, heißt es, das sei Anbiederung an die Moderne. Wie hast Du Dich von solchem Druck befreit?

Karl Gar nicht, ich muss den Druck halt aushalten. Aber wenn ich zum Beispiel die ganzen Kraftwerk-Titel, an denen ich mitgewirkt habe, live aufführe, dann sind die eben original. Dann ist es das Originalarrangement. Zum Beispiel ein Song auf „Mensch-Maschine“ – „die Roboter“ – oder so. Das führe ich original so auf. Und sehr oft höre ich hinterher in der Berichterstattung, die neuen Arrangements von Karl Bartos klängen sehr, als hätten sie sich an Two-Step angelehnt. Dabei mache ich seit 32 Jahren immer dasselbe, nur die Leute die darüber schreiben ändern sich. Two-Step? Ich kenn das gar nicht.

Auch mit der letzten Platte ist es im Grunde genommen genau das gleiche. Man referiert natürlich auf die Sachen, die man selber früher gemacht hat. Bei „Off The Record“ hab ich das mal zum Thema gemacht und hab darüber geschrieben: das ist der Titel, der kommt daher. Aber im Grunde genommen mache ich das immer so. Das passiert dann im Unterbewusstsein. Aber man erzählt es niemandem. So arbeitet eigentlich jeder, der Musik komponiert. Es gibt Sachen, die auf die jetzigen Platte nicht drauf kommen. Die kommen dann auf die nächste. Eigentlich ist es ein permanenter Prozess der sogenannten Klangbiografie. Die Platte ist jetzt auch erfolgreich. Eigentlich meine erfolgreichste bisher, weil die Leute das gesagt bekommen was sie hören. Bei der weniger gut verkauften vorletzten Platte „Communication“ wars eigentlich genau der gleiche Prozess. Nur hab ich das nicht so beschrieben.

Ulf Vielleicht ist es auch einfach der falsche Zeitpunkt zur VÖ, damals?

Karl Ja, das war doof! Weil eben auch „Tour De France Soundtracks“ von Kraftwerk gleichzeitig veröffentlicht wurde.

Ulf Damals gab es auch ein paar Vorwürfe in der Presse nach dem Motto: „Ach, das haben die doch extra gegeneinander gemacht“.

Karl Nein, um Himmels Willen! Keinerlei Absicht! Das kam damals durch Sony. Heutzutage würde ich das Release aus meiner Sicht einfach noch ein halbes Jahr verschieben. Aber das ging damals nicht mehr. Es wär geradezu Selbstmord gewesen, weil die ganzen redaktionellen Plätze bereits voll waren. Da müsste man ja schön blöd sein, wenn man das wissentlich zeitlich so einrichtet. Ganz im Gegenteil: Das war ein totales Unglück!

Aber dieses Mal wars eigentlich sehr, sehr gut und den Druck hab ich nicht so. Ich habe leider so das Gefühl, dass es bei mir und bei Kraftwerk aus Fansicht so ist wie im Fußball. Wer jetzt für Dortmund ist, der kann nicht für München sein.

Ulf Ich denke, ihr seid im Grunde ein wenig wie ungleiche Brüder. Aber wenn man den einen mag schließt das ja nicht aus, dass man den anderen auch mögen kann.

Karl Größtenteils ist es dennoch leider so. Es gibt heutzutage die Möglichkeit für Leute, die mir nicht so sehr gewogen sind – z.B. bei der Zeit oder beim Spiegel Online – so ’nen kleinen Shitstorm oder ähnliches anzustoßen. Aber das ist eigentlich recht unwesentlich. Im Grunde genommen bin ich relativ zufrieden mit der Resonanz von der letzten Platte.

Ulf Ein Lied heißt „Instant Bayreuth“. Das passt gut zum 200. Wagner Geburtstag. Muss man das Werk des jeweiligen Künstlers Deiner Ansicht nach getrennt und unabhängig von dessen Biografie behandeln und auch betrachten oder nicht? Oder ist das von Fall zu Fall verschieden? Karl Beides! Es ist ja im Leben nicht alles Schwarz oder Weiß. Je älter man wird,........

© Die Kolumnisten