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Madonnas „Confessions 2“ – Katharsis oder Katakombe?

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10.07.2026

New York City 1980: Die schwere Tür des neuen Clubs „Danceteria“ öffnet sich einen Spalt hinter dem Doorman. Wir spähen hinein. Warum? Wir wissen nur eins: Der Laden wird in den kommenden sechs Jahren ein Schmelztiegel aus Underground und Kommerz sein. Immer trendy und mit im Verlauf credibilen Gästen von Cyndi Lauper, Depeche Mode oder R.E.M. bis hin zu Bauhaus, Nick Cave, Swans.

Im Innern des Tanztempels wirkt alles bereits gefährlicher als pure Disco. Allüberall Neon und New Wave.

Der Keith nimmt uns den Mantel an der Garderobe ab. Die Helen steht mit dem Jean ganz tender hinter der Bar. Im Hintergrund legt Mark ganz gut auf. Und die verwuschelte Kellnerin bringt uns nun unseren Drink.

Alles gute Kollegen, einander zugetan.

Wer sich damals von ihnen bedienen ließ, fand alle später als Legenden wieder, Keith Haring, Helen Folasade Adu alias Sade, Jean Michel Basqiat und Last but not least die verwuschelte Kellnerin als nunmehr Kruzifix behangener sexy Video-Vamp namens Madonna.

Erzählenswerter kulturhistorischer Moment?

Das dachte sich auch Frau Ciccone.

Sie schließt diesen Kreis nach einem knappen halben Jahrhundert im allgemeinen mit „Confessions 2“ und im besonderen mit dem dort vertretenen Kernlied „Danceteria“.

Es soll nach eigenem Bekunden dieser heiligen Mutter Gottes of Dance ein Album zum Abschalten, Abtanzen, Abgehen werden. Ein Gegengift zum Gefühl der Zeit.

Sie hat sogar ein Pathos geladenes, etwas weitschweifiges Manifest zum Album verfasst, ihr autobiografisches Evangelium lautet sinngemäß in etwa „Aus Tanz bist du gekommen und zu Tanz sollst Du im Tempel wieder werden.“

Das darin schlummernde Versprechen:

„Eine echte Achterbahn of Sound für alle ohne Stock im Anus, genau wie vor 20 Jahren mit „Confessions on a Dancefloor.“

Nun verzichte ich auf den Hinweis, dass die beste Idee des damaligen Albums nicht aus ihrer Feder floss. Nämlich, dass die Platte ihren Meilensteinstatus besonders durch den Hype um „Hung Up“ erlangte. Dies im Grunde auch nur durch die zugegeben dynamisch clever eingebaute Hook von Abbas „Gimme Gimme Gimme“.

Damals wenigstens offiziell gecovert. Keine Selbstverständlichkeit im Hause Ciccone. Für ihren Soundtrack-Beitrag zu „Austin Powers 2“ – „Beautiful Stranger“ (1998) zeigte sie sich noch unangenehm uneinsichtig, als man ihr eine ….hust….gewisse Ähnlichkeit zu „She comes in Colors“ (1996) von Love attestierte.

Auch vermag ich nichts gegen den ihrerseits gewohnt offensiv erotisierten Inszenierungsstil sagen, wie er öffentlich seit Coachella und dem begleitenden Promofilm vielerorts kritisiert wird. Madonna nimmt sich auf die eigene, zugegeben recht spezielle Art, ganz selbstverständlich das Recht heraus, sich mit Ende 60 so sexy zu geben wie etwa bereits........

© Die Kolumnisten