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Der „moderne Mensch“ und die Stille

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19.01.2026

Es ist ungefähr zwanzig Jahre her, als ich regelmäßig in verschiedenen Formationen auftrat. Es waren Lesungen ohne und mit Musik. Literatur an der Basis sozusagen, an leisen und lauten Orten vorgetragen. Die Veranstalter waren immer darauf eingerichtet, vor unseren Auftritten das Publikum mit Musik in die Lokalität zu spülen. Und sie waren auch immer sehr bemüht, die Menschen nach der Darbietung nicht ohne Beschallung alleine zulassen.

Wenn Musik läuft und man nicht zwangsläufig im Smalltalk mit der Nachbarin rote Ohren bekommen will, regt das auch den Gang zu Häppchen- und Getränkeverzehr an. Aus Sicht des Veranstalters also ein durchaus nachvollziehbares Unterfangen. Man wird weich oder schrill von einem Klangteppich aufgefangen und fühlt sich nun ermutigt, die erste Basiskritik an dem was dargeboten wurde, seinem Nebenmenschen mitzuteilen.

Es gab einen Ort, an dem ich auch gerne Solo vornehmlich meine Kurzgeschichten vortrug. Ich war da ganz gerne, sehr intim alles, Bücher, Blumen und zurückhaltende gesunde Snacks waren im Raum. Die Farben freundlich von orange bis maritim. Je nach Wochentag und Veranstaltungsstunde saßen so zehn bis vierzig ZuhörerInnen im Raum, die fast immer konzentriert lauschten und mich nur selten mit einer für alle verhältnismäßig laut vernehmlichen Zwischenfrage peinigten. Das war dann meistens zu laut für den Veranstaltungsort und nicht zuletzt für die anderen Menschen im Raum.

Hier gab es aber ein Novum. Sowohl vor, als auch nach meiner Lesung, gab es keine passende chillige Musik aus........

© Die Kolumnisten