Wenn die Flasche das Drehbuch schreibt
Alkohol gehört in unserer Kultur fast selbstverständlich dazu. Das Feierabendbier, der Wein zum Essen, der Sekt auf Familienfeiern. Die Grenze zwischen Genuss und Abhängigkeit bleibt dabei lange unsichtbar. Alkoholismus beginnt jedoch nicht erst mit mit dem Griff zur Wodkaflasche am frühen Morgen. Er beginnt viel früher – oft dort, wo niemand hinsieht.
Filme und Serien können diese Entwicklung sichtbar machen. Die besten von ihnen erzählen nicht nur von Alkoholikern. Sie erzählen von Menschen. Von ihren Hoffnungen, ihren Lügen, ihren Beziehungen und den Folgen ihrer Entscheidungen.
Hier eine Übersicht meiner Top 10-Alkoholgeschichten in Kino und TV:
Wenn es kein Happy End mehr gibt: Leaving Las Vegas
Wer nur einen einzigen Film über Alkoholismus sehen möchte, sollte mit Leaving Las Vegas beginnen.
Der Film erzählt die Geschichte eines Drehbuchautors, der nach dem Verlust seines Jobs nach Las Vegas reist, um sich zu Tode zu trinken. Das Besondere daran: Der Film interessiert sich nicht für spektakuläre Entzugsszenen oder moralische Botschaften. Er zeigt die völlige Kapitulation vor der Sucht.
Viele Werke erzählen davon, wie Menschen den Kampf gegen ihre Abhängigkeit gewinnen. Leaving Las Vegas zeigt das Gegenteil – und deshalb wirkt die Geschichte so erschütternd. Wer verstehen möchte, welche Macht Alkohol über einen Menschen gewinnen kann, findet hier eine schonungslose Antwort.
Der Klassiker, der seiner Zeit voraus war
Bereits 1945 erschien mit The Lost Weekend ein Film, der erstaunlich modern anmutet.
Damals dominierten in Hollywood noch klare Helden- und Schurkenbilder. Alkoholiker galten häufig als willensschwach oder moralisch gescheitert. The Lost Weekend brach mit diesem Bild und zeigte Alkoholismus als zerstörerische Krankheit.
Viele Mechanismen, die Suchtexperten heute beschreiben, finden sich bereits hier: Verdrängung, Selbstbetrug, Ausreden und der verzweifelte Versuch, die Kontrolle zurückzugewinnen.
Der Film ist inzwischen über achtzig Jahre alt – seine Botschaft dagegen zeitlos.
Zwischen Selbstzerstörung und Poesie: Barfly
Kaum ein Film ist so eng mit dem Mythos des trinkenden Schriftstellers verbunden wie Barfly aus dem Jahr 1987. Die Vorlage stammt von Charles Bukowski, der auch das Drehbuch schrieb und dabei zahlreiche eigene Erfahrungen verarbeitete. Im Mittelpunkt steht Henry Chinaski, gespielt von Mickey Rourke, ein arbeitsloser Dichter, der seine Tage zwischen schäbigen Bars, Schlägereien und durchzechten Nächten totschlägt.
Anders als viele Alkoholismus-Dramen erzählt Barfly keine klassische........
