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Putins erbarmungsloser Krieg nach innen und außen

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15.02.2026

Nawalny-Vergiftung amtlich: Putin führt auch einen totalen Krieg im eigenen Land

KostenpflichtigKostenpflichtigPutins totaler Krieg nach innen und außen

Europäische Labore haben es analysiert: Putin-Kritiker Nawalny wurde vor zwei Jahren in Haft vergiftet. Und ein Verdacht reift allmählich zur Gewissheit: Der Kremlchef wähnt sich in einer Art Endkampf.

Den Satz, der die neuen Realitäten der postfaktischen Welt am treffendsten beschrieb, sagte ausgerechnet Donald Trump – elf Monate bevor er 2016 das erste Mal ins Weiße Haus gewählt wurde: „Ich könnte mitten auf der Fifth Avenue stehen und jemanden erschießen, und ich würde keine Wähler verlieren.“

Was das mit Wladimir Putin zu tun hat? Der russische Präsident trägt die Verantwortung für den Tod des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, der vor zwei Jahren in russischer Haft vergiftet wurde. Eine jetzt vorliegende Gewebeproben-Untersuchung von Experten aus fünf europäischen Ländern scheint das zu beweisen.

„Hardcore-Putinisten“ erschüttert das nicht

Die Gruppe von „Hardcore-Putinisten“ bei uns, die sich entschieden hat, im russischen Präsidenten einen Menschheitsbeglücker zu sehen, wird auch das nicht überzeugen. Kommentare in den sozialen Netzwerken verdeutlichen das. Da wird von „vorsätzlich vertauschten“ Proben schwadroniert, von bereits vorab feststehenden Untersuchungsergebnissen, da wird mit Verweis auf Gaza auf unerträgliche Weise relativiert. Frei nach der Devise: Was nicht sein kann, das nicht sein darf ...

Das Ergebnis schwedischer, niederländischer, französischer, britischer und deutscher Analytiker, so erwartbar es war, beinhaltet eine bittere Botschaft – für Russland: Da hat sich einer an der Spitze des geographisch größten Landes der Erde festgesetzt, der sich auf eine Strategie eingelassen hat, die man englisch „To burn one’s bridges“ nennt. Er bricht alle Brücken hinter sich ab, nimmt sein ganzes Land auf diesem gefährlichen Weg mit.

Endkampf auf Leben und Tod

Ein Diktator, der inhaftierte Kritiker, die in der gleichgeschalteten Öffentlichkeit Russlands gar nicht mehr vorkamen und der Vergessenheit anheimzufallen drohten, dennoch so sehr fürchtet, dass er sie ermorden lässt, hat sich für einen totalen Krieg entschieden. Für einen Endkampf auf Leben und Tod, der jede Form von Übereinkunft, von möglichem Kompromiss ausschließt.

Auch Putin weiß, dass es für Russland eine „Stunde Null“ geben wird. Der Beginn einer Zeit, in der sich Russland sehr intensiv mit sich selbst beschäftigen wird, statt Nachbarländer zu destabilisieren. Ein schmerzhafter Prozess der Klärung wird beginnen: Wie konnte das alles passieren? Was geschah mit Journalisten wie Anna Politkowskaja, ermordet vor ihrer Wohnung am 56. Geburtstag des Kremlchefs? Wer gab den Befehl für die Schüsse auf Boris Nemzow am 27. Februar 2015? Wer ließ den Geheimdienstüberläufer Sergei Skripal vergiften, den Georgier Selimchan Changoschwili im Berliner Tiergarten erschießen, den Milizenführer Jewgeni Prigoschin abstürzen?

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Putin scheint längst die Entscheidung getroffen zu haben. Er will im „Russland danach“ nur leben, wenn es ihm Denkmäler setzt – also setzt er alles auf eine Karte. Für ein Land, dessen Armee auf dem ukrainischen Schlachtfeld kaum noch etwas reißt, außer Terror gegen Zivilisten zu verbreiten, ein geradezu apokalyptischer Ausblick.


© Die Harke