Ein Hort deutscher Geschichte: Die Wähler in Rheinland-Pfalz regeln ihre Dinge mit Lebensart
Rheinland-Pfalz ist ein Land, das nicht laut sein muss, um gehört zu werden. Es trägt seine Geschichte nicht wie ein Aushängeschild vor sich her, sondern wie einen gut sitzenden Mantel – unaufdringlich, aber mit Gewicht. Zwischen Rhein, Mosel und Pfälzerwald entfaltet sich ein Raum, der mehr ist als bloße Geografie: eine Verdichtung europäischer Erinnerung, deutscher Brüche und zugleich erstaunlicher Leichtigkeit.
Stephan-Andreas Casdorff ist Editor-at-Large des Tagesspiegels. Er kommentiert seit Langem das politische Geschehen und hat große Pfälzer erlebt, wie Helmut Kohl und Kurt Beck.
Es atmet Geschichte. In Speyer, wo Kaiser beigesetzt wurden, eine der bedeutendsten Städte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Europas Reformationsstadt, mehr als 2000 Jahre alt. In Hambach am Schloss, wo Bürger ihre Stimme erhoben und die Grundfesten der deutschen Demokratie schufen. Pathos und Alltag liegen oft nur wenige Schritte auseinander.
Das macht den Reiz dieser Gegend aus: Geschichte ist nicht museal erstarrt, sondern wirkt nach, manchmal leise, manchmal in Form eines gewissen Selbstbewusstseins, das sich nicht erklären muss. Die Rheinländer zum Beispiel – gesellig, zugewandt, mit einem Humor, der selbst im Ernstfall noch Platz........
