Deutschlands Eishockey-Traum endet im Viertelfinale: Eiskalte Realität statt Wintermärchen
Eine Art Wintermärchen hätte es werden sollen, dieses olympische Eishockeyturnier. Mit der vermeintlich besten Nationalmannschaft, die es dank sieben NHL-Profis hierzulande je gab, sollte Deutschland es mit den großen Eishockeynationen aufnehmen können. So dachten es nicht wenige.
Doch weit gefehlt. Dieses Aus im Viertelfinale war der letzte logische Schritt eines Turniers, in dem das deutsche Team eigentlich nie sein ganzes Potenzial zeigen konnte. Und auch nicht wirklich mitzureißen wusste. Bereits in der Gruppenphase hakte es gewaltig im deutschen Spiel beim 3:4 gegen Lettland und beim 1:5 gegen die USA.
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Dass die Slowakei seit Samstag spielfrei hatte und das deutsche Team seit dem Sonntag bereits sein drittes Spiel bestritt, sorgte für unterschiedliche Voraussetzungen, was die Kräfte angeht. Aber den Slowaken war der unbedingte Wille, in das olympische Halbfinale einzuziehen, viel mehr anzumerken. Und das deutsche Abwehrverhalten wirkte mitunter anfängerhaft bei diesem 2:6.
Der Turnierbaum hatte es bestmöglich gemeint mit dem DEB-Team, aber um so eine Chance zu ergreifen, hätte es bei diesem Klassentreffen, von dem die Rede war, wohl eine bessere Aufgabenverteilung gebraucht. Es wurde ja immer viel über diese sieben NHL-Profis gesprochen. Aber der Fokus lag wohl zu sehr auf Leon Draisaitl & Co.
Benedikt Paetzholdt hatte sich von dieser deutschen Mannschaft erhofft, dass sie die große Chance bei Olympia mit mehr Vehemenz ergreift.
Neben einer Abwehr, die schon vor diesem Turnier als Problemzone im Vergleich mit den besten Teams galt, wirkte der eine oder andere DEL-Profi mitunter in seinen Aktionen gehemmt. Zuweilen hatte man das Gefühl, dass eher der Pass zum NHL-Nebenmann gesucht, wurde, anstatt selbst vors Tor zu ziehen. Zumal Bundestrainer Harold Kreis die Eiszeiten sehr konsequent auf seine Spieler aus Nordamerika ausgerichtet hatte.
Der Vergleich mit anderen Sportarten ist immer schwierig. Aber der WM-Titel der Basketballer 2023 lag nicht alleine in den Händen von Dennis Schröder und Franz Wagner. Es war ein funktionierendes Ensemble, in dem auch ein Andreas Obst oder ein Isaac Bonga glänzten.
Das deutsche Eishockey hatte solche Momente auch schon. 2018 wuchs das Team über sich hinaus, als die NHL-Profis nicht vertreten waren, und gewann Silber. Auch bei der WM 2023 stand die DEB-Auswahl im Finale, weil sie neben den besonderen Momenten als Mannschaft eine hohe Homogenität ausstrahlte.
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„Wir haben ganz tolle Eishockeyspieler, die mit zu den besten auf der Welt gehören. Aber wir können nicht denken, dass jedes Mal, wenn jemand von denen auf dem Eis ist, wir denen jedes Mal die Scheibe geben und dann ein Wunder passiert“, hatte Moritz Müller nach dem Spiel gegen die USA gesagt.
Es scheint, als hätte er ziemlich genau das getroffen, was den Auftritt des deutschen Teams bei diesen Winterspielen umschreibt.
