menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Playstation, Atari und Co.: So wird Spielzeug zum sicherheitspolitischen Risiko

8 0
31.01.2026

Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Der Berliner Verlag gibt allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.

Rund um Sonys Playstation kursieren zwei besonders hartnäckige Geschichten. Zur PS2 hieß es um das Jahr 2000, der Irak wolle Konsolen importieren, um die Grafikchips für Lenkwaffen zu nutzen – Medienberichte schürten damals die Legende, die bis heute nachhallt. Möglicherweise handelte es sich um ein Marketinggerücht von Sony selbst. Belegt ist vor allem, dass es einen Feldversuch des US-„National Center for Supercomputing Clusters“ gab, PS2-Konsolen zu bündeln, was entsprechende Spekulationen und Aufregung förderte; harte Beweise für eine tatsächliche militärische Weiternutzung der PS2-Komponenten gab es nicht. Gleichwohl wurde der Export in den Irak damals untersagt.

Ganz real hingegen ist der Hochleistungs-Nebennutzen der Playstation3: Ihr Cell-Prozessor war so stark, dass Forschungseinrichtungen sie im Verbund einspannten. Die US Air Force baute 2010 den „Condor Cluster“ aus 1760 PS3-Konsolen für Bildverarbeitung und KI-Experimente. Eine überraschende Erkenntnis aus dieser ungewöhnlichen Bündelung war, dass damit die Definitionen – und die ohnehin strikten Exportbeschränkungen für „Supercomputer“ – hätten umgangen werden können.

Die Universität Stanford nutzte Millionen vernetzter PS3-Clients im Projekt „Folding@home“ für Proteinfaltungs-Simulationen. Diese Konsolen standen jedoch nicht an einem einzelnen Ort, sondern bei den Spielern zu Hause, die einen Teil der Processingpower für den Remote-Zugriff der Wissenschaftler freigestellt hatten. Spielkonsolen als Rechenzentrum – legal, effizient, aber politisch aufrüttelnd, weil sie zeigen, wie eng Freizeit- und Forschungstechnologie beieinanderliegen. Und nicht zuletzt, wie machtvoll privat betriebene Geräte im vernetzten Verbund sein können und wie leicht jeder auch unfreiwillig zum Zuträger zu fremden Netzwerken werden kann.

Eine Mär: Wilhelm Pieck war nicht nur das „freundliche Gesicht der DDR“ – eine Replik

19.01.2026

Im Kalten Krieg versuchten westliche Staaten, militärisch oder industriell sensible Güter aus dem Raum des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) fernzuhalten – dem sozialistischen Staatenbund unter Führung der Sowjetunion. Koordiniert wurde das über die Cocom-Listen (Coordinating Committee for Multilateral Export Controls). Sie regelten, was nicht in den westlich „Ostblock“ genannten RGW exportiert werden durfte – von Werkzeugmaschinen bis........

© Berliner Zeitung