„Können nicht päpstlicher als der Papst sein“: Arche arbeitet mit Lotteriegesellschaft zusammen
Das ganze Netz redet von einem 2,8 Millionen Euro teuren Penthouse mitten in Friedrichshain. Jeder will und jeder könnte es haben – am Ende entscheidet das Glück darüber. Gemeinsam mit der Arche verlost die Soziallotterie Omaze die Luxusimmobilie in der Hauptstadt.
Der Essbereich hat hohe Decken, die großen Fenster geben einen Ausblick auf den Südbalkon. Offene Küche, Kochinsel, Backsteinwand im Wohnzimmer, Dachfenster, Dachgarten, eine Sauna – das sind nur ein paar der Highlights, die den glücklichen Gewinner erwarten. Um dem künftigen Eigentümer einen möglichst sanften Start zu ermöglichen, gibt es obendrauf 100.000 Euro Startkapital in bar.
Das ist über Omaze bekannt
Das klingt vielleicht zu gut, um wahr zu sein, doch die Immobilie wird wirklich verlost: Der verantwortliche Lotterieanbieter Omaze steht auf der amtlichen Liste der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Somit hat der Anbieter nicht nur eine staatliche Erlaubnis, sondern wird auch kontrolliert.
Gemeinsame Sache bei der Verlosung macht Omaze mit der Arche: Die Berliner Kinderstiftung habe von der Soziallotterie 20 Prozent des Einsatzes aus den verkauften Losen für das Penthouse zugesichert bekommen. Mindestens soll die Arche aber 500.000 Euro erhalten.
Das sagt die Arche zur Kooperation
Auf ihrer Website erklärt die Arche, dass sie sich immer noch zu fast 100 Prozent durch Spenden finanzieren müsse. Der Gesamtspendenbedarf sei mit der Expansion auf 35 bundesweite Standorte entsprechend gewachsen. Hinzu komme die hohe Inflation in den vergangenen Jahren, die stetig gewachsen sei.
Auf Anfrage der Berliner Zeitung erklärt der Arche-Pressesprecher Wolfgang Büscher, man habe intern lange darüber diskutiert, ob man mit einer Soziallotterie kooperieren wolle. Schließlich habe man sich nach entsprechender Auswertung durch Anwälte dafür entschieden. „Große Teile der Jugendarbeit in Berlin werden durch Lottoeinnahmen finanziert“, sagt Büscher.
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„Wir arbeiten nicht mit der Waffenindustrie zusammen“
„Wir als Arche bekommen keine Förderungen oder Mittel von Berlin, was vermutlich daran liegt, dass wir uns kritisch äußern“, so der Sprecher. Bedenke man, dass keines der offenen Jugendhäuser der Arche „je einen Cent öffentliche Gelder bekommen hat“, wirke die Kooperation mit Omaze plausibel. „Mir hat mal ein Politiker gesagt, solange ihr die Schnauze so weit aufmacht, bekommt ihr keinen Cent“, erklärt Büscher.
Doch wenn Glücksspiel zum Zwecke des Kindeswohls kein verbotenes Terrain darstellt, was gilt dann für die Arche als Tabu? „Wir arbeiten nicht mit der Waffenindustrie, nicht mit der organisierten Prostitution und nicht mit Marken für harte Spirituosen zusammen“, erklärt Büscher. All jene Bereiche seien nämlich nicht mit Kindern vereinbar.
So wahrscheinlich ist ein Gewinn
Das Feedback zur Zusammenarbeit mit der Soziallotterie war größtenteils positiv. Solange Gelder für Kinder investiert würden, sei die Kooperation für viele Menschen vertretbar. An die Kritiker, die es laut Büscher auch gibt, richtet er klare Worte: „Wir können nicht päpstlicher als der Papst sein.“ Ob Wolfgang Büscher selbst mal an einem Glücksspiel teilgenommen hat? „Nein“, antwortet der Sprecher lachend.
Ganz so utopisch ist ein Gewinn übrigens nicht: Die Chancen auf das zuletzt von Omaze verloste Haus hätten beim Kauf eines einzelnen Loses bei eins zu elf Millionen gestanden. Beim klassischen Lotto sind es eins zu 140 Millionen.
Soziallotterien als altbekanntes Phänomen in Deutschland
Soziallotterien haben in Deutschland eine lange Historie, so gibt es etwa die Aktion Mensch oder auch die Deutsche Fernsehlotterie. Sie werden rechtlich als Lotterien mit einem geringeren Gefährdungspotenzial eingeordnet. Sie sind grundsätzlich erlaubt, müssen aber in jedem Fall gemeinnützig sein. So müssen mindestens 30 Prozent des Umsatzes für gemeinnützige Zwecke ausgegeben werden.
Doch wie reagieren die Menschen selbst auf die soziale Verlosung? In den sozialen Medien spalten sich die Gemüter. Das Feedback ist größtenteils positiv. Instagram-User kommentieren, wie schön sie das Penthouse finden, fragen nach Zimmer- oder Etagenanzahl und freuen sich über die zentrale Berliner Lage. Doch auch Zweifler und Hoffnungslose bleiben der Kommentarspalte nicht fern: „Da gewinnt man doch eh nicht“, kommentiert ein Nutzer. Eine weitere Person stellt eine gezielte Frage: „Ist das Satire?“
Dass es sich nicht um Satire handelt, will die Soziallotterie in etwa einer Woche zeigen. Denn dann soll der Sieger ausgelost werden, der sich bald als neuen Bewohner der Friedrichshainer Luxuswohnung bezeichnen darf.
