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Waffensammler und Napoleon-Fan: Wie Louis Sarkozy in die Fußstapfen seines Vaters tritt

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Geschichte wiederholt sich zweimal: das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce. So schrieb es Karl Marx im „Achtzehnten Brumaire des Louis Bonaparte“. Wer dieser Tage nach Frankreich blickt, könnte meinen, der deutsche Philosoph behalte wieder einmal recht.Am Sonntag tritt bei der Kommunalwahl in der südfranzösischen Stadt Menton nämlich der Sohn eines Mannes an, der die französische Politik über Jahre geprägt hat: Louis Sarkozy. Sein Vater, der frühere Präsident Nicolas Sarkozy, ist inzwischen tief gefallen: Wegen Korruption und Amtsmissbrauch wurde er mehrfach verurteilt.

Gescheiterte Militärkarriere in den USA

Der Sohn sammelt Waffen, trinkt seinen Kaffee aus Napoleon-Tassen und kandidiert mit der Botschaft, eigentlich zu Höherem berufen zu sein – ganz wie einst sein Vater. Favoritin in Menton ist allerdings Alexandra Masson vom rechten Rassemblement National.

Sollte Louis Sarkozy dennoch das Rathaus erobern, wäre das ein erstaunlich exakter Schritt in die Fußstapfen seines Vaters. Nicolas Sarkozy wurde im selben Alter (28) Bürgermeister des wohlhabenden Pariser Vororts Neuilly-sur-Seine.

Um seinen Sohn zu unterstützen, stellt er in Menton nun sein neues Buch „Tagebuch eines Häftlings“ vor – ein im Rekordtempo geschriebenes Werk über die zwanzig Tage, die der wegen Korruption verurteilte Ex-Präsident in einem Pariser Gefängnis verbrachte. Darin vergleicht er sich ausgerechnet mit Alfred Dreyfus, dem Offizier, der Ende des 19. Jahrhunderts Opfer einer antisemitischen Justizintrige wurde.

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Louis Sarkozy war zehn Jahre alt, als sein Vater Präsident wurde. Nach der Scheidung der Eltern zog er mit seiner Mutter Cécilia Attias in die USA und kam mit 14 auf eine elitäre Militärakademie. Die strenge Disziplin habe ihm geholfen, „nicht zum Idioten zu werden“, sagt er.

Eine Militärkarriere in den USA scheiterte schließlich an seiner Staatsangehörigkeit. Also beschloss Sarkozy junior, seine Herkunft politisch zu nutzen. Obwohl er nie der Partei seines Vaters beitrat, stieß er bei konservativen Politikern auf offene Türen. Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, empfahl ihm die Kandidatur in Menton.

Abschaffen von Verkehrsregeln und Wehrpflicht für Migranten

Nebenbei arbeitet der Präsidentensohn an seiner nationalen Bekanntheit: als „USA-Spezialist“ in Nachrichtensendern oder als Kolumnist der rechtsextremen Zeitschrift Valeurs Actuelles. Für einen Podcast interviewte er den argentinischen Präsidenten Javier Milei, den er neben Donald Trump und seinem Vater zu seinen politischen Vorbildern zählt.

Auch mit Ideen sorgt er für Aufmerksamkeit: Er forderte die Legalisierung sämtlicher Drogen, das weitgehende Abschaffen von Verkehrsregeln und eine Wehrpflicht für Migranten. Vor allem aber pflegt er ein bestimmtes Bild von sich selbst. In Interviews sitzt er in zu engen weißen Hemden, spricht über Schießtraining, posiert in Kampfsportkleidung oder auf seinem Motorrad. Seine Reden kreisen oft um ein Thema: Männlichkeit. Man könne über Männer schimpfen, sagt er, solange sie nicht „in den Schützengräben von Verdun“ lägen. Und außerdem, fügt er gern hinzu, seien es schließlich Männer, die die Häuser bauen.Die Farce wäre damit komplett.


© Berliner Zeitung