Preisschock an der Zapfsäule: Wie der Iran-Krieg Berlins Autofahrer trifft
Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat Berlin erreicht – zumindest an den Zapfsäulen und bei den Energiekosten. Seit dem Ausbruch des Krieges im Iran und der faktischen Blockade der Straße von Hormus erleben Autofahrer und Haushalte in der Hauptstadt einen Preisschock.
Während Diesel bundesweit im Laufe der Woche in der Spitze bereits die psychologisch wichtige Zwei-Euro-Marke durchbrach, kletterte Super E10 in Berlin auf durchschnittlich rund 1,90 Euro. Laut Marktdaten des ADAC zogen die bundesweiten Durchschnittspreise innerhalb weniger Tage dramatisch auf das höchste Niveau seit weit mehr als einem Jahr an. Autofahrer in der Hauptstadt blicken nun mit Sorge auf die kommenden Wochen.
Die Straße von Hormus als Nadelöhr der Weltwirtschaft
Der rasante Anstieg der Preise an den Berliner Tankstellen ist eine direkte Folge der geopolitischen Lage. Der Iran liegt am Nordufer der Straße von Hormus, einer nur 33 Kilometer breiten Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Das Land hat den Schiffsverkehr dort massiv eingeschränkt beziehungsweise faktisch blockiert, worauf Reeder und Versicherer sofort reagieren mussten.
Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA passiert rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öl- und LNG-Verkehrs dieses Nadelöhr. Durch die Störung der Lieferketten reagieren die internationalen Finanzmärkte äußerst nervös. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sprang der Preis für Rohöl der Sorte Brent, das für Europa maßgeblich ist, innerhalb weniger Tage von rund 72 auf über 84 US-Dollar.
Raffinerien weiten ihre Gewinnmargen aus
Doch nicht nur der reine Rohölpreis treibt die Kosten für die Berliner nach oben. An den Zapfsäulen und bei den Heizölhändlern fallen die Aufschläge teilweise drastischer aus. Steffen Bukold, Chef der Beratungsfirma EnergyComment, wies in seiner Marktanalyse für das Fachportal Esyoil darauf hin, dass die Ölraffinerien aktuell die Nervosität im Markt nutzen und ihre Gewinnmargen ausweiten. Besonders beim Heizöl sei eine völlige Entkopplung zu beobachten.
Für Berliner Haushalte, die noch mit Öl heizen und ihre Vorräte auffüllen müssen, ist das eine bittere Nachricht. Der Preis für 100 Liter Heizöl schoss laut Angaben von dpa und ADAC innerhalb weniger Tage von deutlich unter 100 Euro auf zeitweise über 128 Euro nach oben.
Auch die Gaspreise reagierten am europäischen Markt extrem: Der TTF-Gaspreis stieg laut Handelsblatt im selben Zeitraum von unter 32 auf bis zu 62,64 Euro pro Megawattstunde. Wer in Berlin noch keinen festen Tarif hat, muss sich auf deutlich höhere Abschläge einstellen.
Was erwartet die Berliner in den nächsten Wochen?
Gleichzeitig wird der Ruf nach politischen Maßnahmen lauter. Aus der SPD-Fraktion kam durch den Abgeordneten Esra Limbacher bereits scharfe Kritik an den Tankstellenbetreibern wegen verfrühter Preiserhöhungen. Die schwarz-rote Koalition auf Bundesebene behält sich laut dem Parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion, Steffen Bilger, Maßnahmen zur Preisdämpfung vor. Er erklärte, man wolle nichts ausschließen und werde die Lage genau beobachten. Diskutiert wird unter anderem eine befristete Senkung der Energiesteuer.
Für die Berliner Autofahrer und Haushalte bedeutet dies vor allem eines: Sie müssen in den kommenden Wochen mit einer hohen Volatilität der Preise rechnen. Es empfiehlt sich, die Preisentwicklung über Apps genau zu vergleichen und Tankvorgänge gezielt in die meist günstigeren Abendstunden zu legen. Wer auf das Auto verzichten kann, für den wird der Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr in der Hauptstadt vorerst die finanziell planbarere Alternative bleiben.
