Woo-yeong Jeong positioniert sich bei Union: „Ich will nicht nur Joker sein“
Es gibt Spieler, denen scheint die Rolle des Einwechselspielers auf den Leib geschnitten zu sein. Nils Petersen, früher im Fußball-Osten für Energie Cottbus, später für Werder Bremen, die Bayern und zuletzt den SC Freiburg am Ball, lief fast immer erst dann so richtig heiß, wenn er als Joker von der Bank kam. Wurde es in der Schlussphase eng, blühte Petersen auf. Nicht selten schoss der heutige TV-Experte die wichtigen Tore, wenn er sich das Geschehen bei Spielbeginn zuvor von außen anschauen musste.
Woo-yeong Jeong hat sich in der laufenden Spielzeit zum Topjoker des 1. FC Union Berlin gemausert. Drei Saisontore hat der Südkoreaner bis zum 27. Spieltag erzielt, dreimal wurde er dabei von Trainer Steffen Baumgart erst im Lauf des Spiels eingewechselt. Beim so wichtigen 1:0-Sieg in Freiburg Mitte März war er es, der sich in der Nachspielzeit ein Herz fasste, im gegnerischen Strafraum erst ins Dribbling ging, um den Ball anschließend platziert im Eck unterzubringen.
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Auch bei den späten Punktgewinnen Anfang des Jahres gegen Mainz (2:2) und in Stuttgart (1:1) war Jeong als Torschütze beteiligt. Klar, dass er sich nach seinem Glanzmoment im Breisgau beim Gastspiel in München erhofft hatte, von Anfang an dabei zu sein. Baumgart entschied sich in der Startformation aber ein weiteres Mal für Livan Burcu und Tim Skarke. „Ich will nicht nur Joker sein, sondern auch von Anfang an spielen“, positionierte sich der 26-Jährige nach Abpfiff deutlich.
Als Einwechselspieler habe er versucht, noch einmal Impulse nach vorne zu setzen. „Wir haben gehofft, dass die Bayern am Ende vielleicht auch etwas müde sind“, sagte Jeong. Der Plan ging allerdings nicht auf. Obwohl der Rekordmeister drei Tage zuvor noch im Champions-League-Achtelfinale gegen Atalanta Bergamo (4:1) antreten musste, wirkten die Münchner frisch. Kaum einmal ließ die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany eine Köpenicker Ballbesitzpassage zu. Erst als das Spiel nach dem 4:0 durch Serge Gnabry Mitte der zweiten Halbzeit endgültig entschieden war, schalteten die Hausherren ein bis zwei Gänge zurück. Jeong war es dann auch, der die einzige echte Torchance der Berliner hatte, mit seinem Schuss aus der Distanz scheiterte er aber an Torhüter Jonas Urbig.
Während Burcu zumindest noch in Ansätzen zu überzeugen wusste, hier und da mal eine Eins-gegen-eins-Situation heraufbeschwor, hing Skarke in vorderster Front völlig in der Luft. Für die nächste Partie nach der Länderspielpause gegen den FC St. Pauli (5. April, 15.30 Uhr, Stadion An der Alten Försterei) muss Baumgart seine Offensivreihe erneut umstellen. Gegen den Hamburger Stadtteilverein, der nach seiner 1:2-Niederlage gegen Freiburg weiter auf dem Relegationsplatz rangiert, wird tendenziell weniger Schnelligkeit, sondern deutlich mehr Wucht nötig sein.
Inwieweit Woo-yeong Jeong bei dieser Herangehensweise seinen Platz finden wird, bleibt abzuwarten. Seine Statistik als Startelfspieler spricht aber nicht wirklich für ihn. Zwölfmal stand er in der laufenden Spielzeit in der ersten Elf, ein Tor gelang ihm nicht. Sein letzter Treffer, den er von Beginn an spielend erzielte, liegt sogar fast eineinhalb Jahre zurück. Keine gute Bewerbung, die in München aber eben auch sonst kein Union-Profi abgab.
