WM in Gefahr? Welche Spieler beim 1. FC Union Berlin zittern müssen
Es kommt höchst selten vor, dass sich ein Spieler Kritik gefallen lassen muss, wenn er soeben ein Tor erzielt hat. Bei Leopold Querfeld war dies im Februar beim Remis gegen Eintracht Frankfurt der Fall. Der Österreicher hatte spät per verwandeltem Foulelfmeter noch zum 1:1-Endstand für den 1. FC Union Berlin ausgeglichen, sich danach allerdings einen Rüffel von Horst Heldt abgeholt. „So kann man einen Elfmeter nicht schießen“, wurde der Manager deutlich. „Zum Glück ist er reingegangen, aber das ist mir zu läpsch.“
Der reingezitterte Strafstoß, der mit wenig Überzeugung des Schützen gerade so den Weg hinter die Linie fand, steht in der jüngeren Vergangenheit fast sinnbildlich für die Auftritte Querfelds. Der eigentlich unumstrittene Mittelmann in der Dreierkette – nur eines von bislang 27 Spielen verpasste er wegen einer Gelbsperre – tritt in diesen Tagen alles andere als souverän auf. Zwei Elfmeter hat er in der laufenden Spielzeit durch unbeholfenes Einsteigen im eigenen Strafraum verursacht, dazu mehrfach bei Gegentoren gepatzt. Beim jüngsten Auftritt in München, als er nach abgesessener Sperre zurück in die Startelf gerutscht war, hatte er Glück, dass Harry Kane einen haarsträubenden Ballverlust in der Vorwärtsbewegung nicht noch mit dem fünften Münchner Treffer bestrafte.
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Es ist daher nicht allzu verwunderlich, dass Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick bei der Nominierung zu den Länderspielen gegen Ghana (Freitag, 18 Uhr) und Südkorea (Dienstag, 20.45 Uhr) auf die Dienste des 22-Jährigen verzichtet hat. „Es ist so, dass wir Leo schon in- und auswendig kennen. Wir hatten ihn in den letzten Lehrgängen immer dabei und haben natürlich auch seine Spiele bei Union gesehen“, begründete Rangnick die Nicht-Berufung.
Stattdessen steht David Affengruber, der in Spanien beim FC Elche spielt, vor seinem Debüt in der ÖFB-Auswahl. „Ihn kennen wir bisher überhaupt nicht. Wir haben natürlich auch seine Spiele bei Elche intensiv verfolgt und haben uns entschieden, jetzt mal den David anzuschauen. Das ist noch kein Indiz, dass das bei der WM auch wieder so ist. Aber er hat die Möglichkeit, sich bei uns zu präsentieren“, sagte Rangnick über den 25-jährigen Innenverteidiger. Zwar wird sich das Aufgebot bis zur Weltmeisterschaft in knapp drei Monaten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch einmal anpassen, trotzdem verpasst Querfeld eine große Gelegenheit, im Kreise des Nationalteams ein weiteres Mal positiv auf sich aufmerksam zu machen.
Juranovic und Král sind aktuell nicht mehr gefragt
Für die kroatische Nationalmannschaft stehen unterdessen zwei interessante Vergleiche an. Am Freitag (0.30 Uhr) trifft der Vize-Weltmeister von 2018 auf Kolumbien, am Mittwoch (2 Uhr) geht es gegen Brasilien. Nur aus großer Entfernung wird Josip Juranovic die Spiele verfolgen. Mit Ausnahme einer Partie hat der 30-Jährige für die Nationalelf seit der EM 2024 kein Spiel mehr absolviert. Als er im Januar 2023 von Celtic Glasgow zu den Köpenickern wechselte, war er auf der rechten Seite noch gesetzt. Wenige Wochen zuvor hatte er bei der WM in Katar mit den Kroaten mächtig für Furore gesorgt, war mit seinen Teamkollegen überraschend bis ins Halbfinale gekommen.
Doch seit bald zwei Jahren ist Juranovic in seinem Heimatland ziemlich ins Hintertreffen geraten. Immer wieder warfen ihn Verletzungen zurück, in der laufenden Saison kommt er auch deshalb erst auf sieben Einsätze in der Bundesliga. Nicht gerade ein Bewerbungsschreiben in Richtung von Nationalcoach Zlatko Dalic.
Der Dritte im Bunde derer, die im Kreise ihrer Nationalmannschaft schon die Luft großer internationaler Abende schnuppern durften, diesmal aber in Berlin bleiben mussten, ist Alex Král. Seit seinem Debüt für die Auswahl Tschechiens vor sieben Jahren war der Mittelfeldmotor eine feste Größe im Kader, mal als Start-, mal als Einwechselspieler. Für das Playoff-Duell gegen Irland (Donnerstag, 20.45 Uhr) und ein möglicherweise folgendes Endspiel am nächsten Dienstag hat er aber keine Einladung bekommen.
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Ilyas Ansah dürfte die aktuelle Länderspielpause ebenfalls mit getrübten Gefühlen erleben. Im Herbst vergangenen Jahres hatte er für die deutsche U21 debütiert, sich mit vier Toren aus seinen ersten vier Bundesliga-Spielen schnell einen Namen beim DFB gemacht. Seit Monaten steckt Ansah nun aber im Formtief. Ein weiteres Törchen ist bislang im weiteren Saisonverlauf hinzugekommen, seinen Stammplatz bei Union hat er zuletzt abgeben müssen.
Bei den so wichtigen Spielen in der EM-Qualifikation gegen Nordirland (Freitag, 18 Uhr) und in Griechenland (Dienstag, 18 Uhr), in denen es für die Mannschaft von Trainer Antonio di Salvo um Platz eins und damit für ein Ticket zum Turnier im kommenden Jahr geht, ist Ansah nicht dabei. Zumindest hat er im Gegensatz zu seinen Kollegen noch eine weitere Saison Zeit, um die Einschätzung seines Trainers zu korrigieren.
