menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Trump droht Iran mit Kriegsverbrechen: Zerstörung von Trinkwasser?

10 0
tuesday

Donald Trump hat ein neues Kriegsziel nach dem amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran formuliert: Der amerikanische Präsident will sich „das Öl im Iran holen“ und könnte zu diesem Zweck den Exportknotenpunkt der Insel Kharg beschlagnahmen.

Am Montag drohte Trump dem Iran allerdings mit neuen Angriffen – die vermutlich als Kriegsverbrechen zu klassifizieren sind. Trump sagte auf seiner privaten Website Truth Social, er führe zwar „ernsthafte Gespräche mit einem NEUEN UND VERNÜNFTIGEREN REGIME, um unsere Militäroperationen im Iran zu beenden“. Es seien „große Fortschritte erzielt“ worden. Falls jedoch „aus irgendeinem Grund nicht bald eine Einigung erreicht wird – was wahrscheinlich doch der Fall sein wird – und falls die Straße von Hormus nicht sofort ,open for business‘ ist, werden wir unseren netten ,Aufenthalt‘ im Iran damit beenden, dass wir sämtliche Stromerzeugungsanlagen, Ölfelder und die Insel Kharg (und möglicherweise alle Entsalzungsanlagen!), die wir bislang absichtlich nicht ,angerührt‘ haben, sprengen und vollständig zerstören. Dies geschieht als Vergeltung für die vielen Soldaten und andere Menschen, die Iran unter dem alten Regime während dessen 47-jähriger ,Schreckensherrschaft‘ massakriert und getötet hat.“

Trump hatte der Financial Times gesagt, dass seine „bevorzugte Option wäre, das Öl zu holen (take)“. Er verwies auf Venezuela, wo die USA beabsichtigten, die Ölindustrie „auf unbestimmte Zeit“ zu kontrollieren, nachdem sie im Januar in einer Militäroperation den Präsidenten des Landes, Nicolás Maduro, entführt hatten.  Trump sagte: „Um ehrlich zu sein, ist meine Lieblingsidee, das Öl im Iran zu nehmen, aber einige dumme Leute hier in den USA sagen: ‚Warum machst du das?‘ Aber das sind dumme Leute.“ „Vielleicht nehmen wir die Insel Kharg ein, vielleicht auch nicht. Wir haben viele Optionen“, sagte Trump der FT. „Es würde auch bedeuten, dass wir dort eine Weile bleiben müssten.“ Auf die Frage nach dem Zustand der iranischen Verteidigung auf der Insel antwortete er: „Ich glaube nicht, dass sie irgendeine Verteidigung haben. Wir könnten sie sehr leicht einnehmen.

Rohöl der Sorte Brent stieg am Montagmorgen in Asien auf über 116 Dollar pro Barrel und erreichte damit fast den höchsten Stand seit Beginn des Konflikts. Es ist anzunehmen, dass Spekulanten mit Insider-Wissen massiv von den widersprüchliche Wortmeldungen profitieren. Die meisten Geschäfte laufen über Algorithmen, die zwar schnell reagieren, aber noch nicht in der Lage sind Sinn und Unsinn zu unterscheiden.

Öl-Schock wegen Iran-Krieg: Russland verkauft mit Aufschlag – kippen jetzt die Sanktionen?

Reportage aus dem Iran: Ein Volk zwischen Protest und Patriotismus – und ohne Plan B

Trump hat die US-Streitkräfte in der Region verstärkt; das Pentagon ordnete die Entsendung von 10.000 Soldaten an, die darauf trainiert sind, Gelände einzunehmen und zu halten. Etwa 3.500 Soldaten trafen am Freitag in der Region ein, darunter rund 2.200 Marines. Weitere 2.200 Marines sind unterwegs, während auch Tausende Soldaten der 82. Luftlandedivision in die Region beordert wurden. Ein Angriff auf den Kharg gilt als riskant, da er die Wahrscheinlichkeit weiterer US-Verluste erhöhen würde. Das Gelände ist gebirgig und kann vom Iran gut verteidigt werden. Daher wird angenommen, dass die US-Streitkräfte eher auf andere Inseln abzielen.

Trump prüft nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ außerdem, wie gefährlich im Iran ein Militäreinsatz zur Bergung von rund 400 Kilogramm hochangereichertem Uran für US-Bodentruppen wäre. Eine Entscheidung habe der Präsident noch nicht getroffen. Trump stehe der Idee aber grundsätzlich offen gegenüber.

Trumps teils wirre Aussagen könnten das Ziel verfolgen, die iranischen Kräfte maximal zu binden, um Israels Annexion von weiten Teilen des Libanon zu unterstützen. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hatte am Sonntag mitgeteilt, dass die Annexion noch weiter gehen sollte als ursprünglich angekündigt.

Allerdings riskiert Netanjahu mit dem Vormarsch im Libanon die Entblößung der Verteidigung Israels. Schon heute herrscht unter der israelischen Bevölkerung Unmut, weil die Regierung nicht ansatzweise für ausreichenden Schutz der eigenen Zivilbevölkerung gesorgt hat. Auch die Wirtschaft ist betroffen: Am Montag ist in Israels bedeutendster Ölraffinerie ein Brand ausgebrochen, möglicherweise infolge eines iranischen Angriffs. Der israelische Sender 12 verbreitete Bilder von dem Feuer in der Raffinerie in der nordisraelischen Stadt Haifa. Ein von der Nachrichtenagentur AFP erlangtes Video zeigte eine dichte Rauchwolke über der Anlage. Nach Angaben von AFP-Reportern vor Ort hatten die Feuerwehrleute den Brand später unter Kontrolle.

Die israelische Armee hatte kurz zuvor mitgeteilt, sie habe Raketen identifiziert, die sich aus dem Iran kommend näherten. Laut Medienberichten wurde die Raffinerie getroffen. Zunächst war unklar, ob die Anlage möglicherweise durch eine Rakete aus dem Iran oder dem Libanon getroffen wurde oder durch Trümmerteile infolge eines Abfangvorgangs. Die israelische Armee teilte mit, Einsatzkräfte seien nach Berichten über einen Einschlag auf dem Weg zu einem „Ort im Norden Israels“, ohne nähere Angaben zu machen. Die Ölraffinerie in Israels drittgrößter Stadt Haifa liegt innerhalb eines Industriegebiets.


© Berliner Zeitung