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Er war auf dem Weg zum Jahrhundert-Musiker, doch er starb einsam mit 26

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12.02.2026

Einer der wichtigsten Komponisten der Musikgeschichte ist ein weithin Unbekannter: Hans Rott hat der Nachwelt ein einziges Werk hinterlassen, das den Gang der Entwicklungen beeinflussen sollte wie kaum eine andere Komposition. Die Berliner Philharmoniker unter Paavo Järvi bringen Rotts Erste Symphonie in E-Dur dieser  Tage zur Aufführung. Das Timing könnte besser nicht sein: Im Januar hatten die Philharmoniker unter Kirill Petrenko Gustav Mahlers monumentale „Achte“ mit spektakulärem Erfolg zelebriert.

Mahler ist ohne Rott nicht denkbar, sagt Järvi im Gespräch mit der Berliner Zeitung: „Es gibt viele Komponisten, die verbessern dieses oder jenes, bringen Innovationen im Detail. Aber nur ganz wenige zeigen einen völlig neuen Weg auf.“ Die Symphonik sei mit Brahms und Bruckner an eine formale Grenze gestoßen. Erst Mahler habe die Form so erweitert, dass sie von der Moderne adaptiert und weiterentwickelt werden konnte.

Dieser Durchbruch wäre ohne Hans Rott, den heute Vergessenen, nicht möglich gewesen. Mahler war mit Hans Rott befreundet. Er und Hugo Wolf trafen sich oft bei Rott in dessen Wiener Wohnung. Rott galt als der Lieblingsschüler von Anton Bruckner: „Von Bruckner hat Rott alles gelernt, die Erste Symphonie, die er als ganz junger Mann geschrieben hat, ist ein außergewöhnliches Werk“, sagt Järvi. Das betreffe den Einfallsreichtum, die völlig neuen Klangwelten und die meisterhafte Instrumentalisierung: „Rott hat die Tür in eine andere Welt geöffnet“, sagt Järvi.

Durch diese Tür ging schließlich aber nicht Hans Rott selbst. Der junge, hochmoralische Mann starb im Alter von 26 Jahren unter tragischen Umständen. Rott wurde 1858 in Wien als außerehelicher Sohn des Schauspielers und Gesangskomikers Carl Mathias Rott und der Sängerin und Schauspielerin Maria Rosalia Lutz geboren. Nach der Heirat der Eltern wurde er 1863 von seinem Vater „legitimiert“. Seine Eltern starben früh, zeitlebens hing er........

© Berliner Zeitung