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Kulturkampf um das Theater Ost: Wem gehört die DDR-Immobilie?

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10.02.2026

Es ist viel los in und um das Theater Ost in Adlershof: Noch im Dezember war der Schreck über eine Räumungsklage und ein zustimmendes Urteil des Landesgerichts groß gewesen. Eine Schockstarre trat aber nicht ein – eher das Gegenteil.

Theaterdirektorin Kathrin Schülein hat gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil, das sie zur Übergabe der gemieteten Räume an den Immobilienentwickler Stefan Klinkenberg verpflichtet, Berufung eingelegt. Sie erhofft von der nächsten Instanz, dem Kammergericht, eine gründlichere Prüfung, denn Zeugen wurden in der ersten Instanz nicht gehört. Stefan Klinkenberg, Architekt aus Kreuzberg, hatte die Räumungsklage mit der Begründung eingereicht, die Sanierung des Hauses und andere Bauarbeiten im Umfeld sollten beginnen.

Die Marke „Theater Ost“ hat Kathrin Schülein vergangene Woche beim Patentamt eintragen lassen; jetzt ist der programmatische Name dem Kulturprojekt sicher, egal wie der Wind weht.

Obendrein startete im großen Saal des Hauses vor vollständig ausverkauftem Haus eine neue Gesprächsreihe zur Förderung der deutsch-deutschen Debattenkultur. Der Titel: Perspektivwechsel. Holger Friedrich, Verleger der Berliner Zeitung, hatte zum Auftakt als Gesprächspartner den Publizisten Jakob Augstein zu Gast. Demnächst wird die West-Mediengröße Mathias Döpfner zur Debatte erwartet.

Eine nach dem Räumungsurteil aufgetauchte Sorge hat sich verflüchtigt: Der Bezirk Treptow-Köpenick zahlt nach wie vor monatlich einen Förderbeitrag von 2373,17 Euro. Ein Sprecher des Bezirks erläuterte auf Nachfrage, der für Kultur zuständige Bezirksstadtrat Marco Brauchmann (CDU) habe „die institutionelle Förderung 2026 u.a. für das Theater Ost beschlossen“.

Das Theater Ost sei „nach wie vor förderungswürdig, der Zuwendungsvorgang war zu keinem Zeitpunkt gestoppt oder ausgesetzt“. Die Raten für Januar und Februar 2026 in Höhe von 4746,35 Euro seien ausgezahlt. Es handelt sich um die einzige öffentliche Förderung für die Kulturinstitution.

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Aber wie soll es weitergehen? Die Streitparteien haben in den vergangenen Wochen Vorstellungen entwickelt, aufbauend auf einem konstruktiven Vorschlag, den Stefan Klinkenberg bei einem Gespräch mit der Theaterdirektorin in Anwesenheit des für Treptow-Köpenick direkt gewählten Bundestagabgeordneten Gregor Gysi gemacht hatte: Demnach war Klinkenberg bereit, das historische Gebäude aus seiner in Erbbaurecht vom Land Berlin erworbenen Immobilie herauszulösen und für einen Euro an das Theater zu übergeben – abgestimmt mit dem  Senat und verbunden mit den entsprechenden Pflichten zu Sanierung des denkmalgeschützten Baus, unter anderem der Einhaltung von........

© Berliner Zeitung