menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Abrissdrama ums SEZ: Können vier Hochhäuser die Sportstätte in Friedrichshain retten?

21 0
23.02.2026

Ist es möglich, dass das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee in Friedrichshain doch noch erhalten bleibt? Nach Informationen der Berliner Zeitung gibt es wohl einen Kompromissvorschlag, der bei der Anhörung am kommenden Montag im Abgeordnetenhaus vorgestellt und besprochen werden soll.

Offenbar sieht er den Neubau von vier Hochhäusern auf dem Gelände vor. Damit könnte man am Standort – wie im Bebauungsplan ausgewiesen – fast 700 Wohnungen errichten und den Erhalt des gesamten Sport- und Erholungszentrums mit Wellenbad, Eisbahn, Sporthallen und Bowlingcenter sichern. Zudem fiele ein sehr kostspieliger Abriss weg.

Offiziell bestätigt wird dieser Plan bisher noch nicht. Klar ist indes, dass der Verein Naturfreunde Berlin gemeinsam mit dem Verein Gemeingut in BürgerInnenhand den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit einem anwaltlichen Schreiben aufgefordert hat, den Vollzug der Abrissanzeige für das SEZ vom 27. Januar dieses Jahres zu verbieten.

Dafür wurde dem Bezirksamt eine Frist bis Mittwochnachmittag gesetzt. Anderenfalls wollen die Vereine Klage am Verwaltungsgericht einreichen. Weil mit dem Abriss gegen den Artenschutz und das Denkmalrecht verstoßen werde. Und der Erhalt des SEZ aus historischen und städtebaulichen Gründen im öffentlichen Interesse stehe.

Ungeklärte Provenienz: Rechtsstreit um Schabowskis Zettel geht weiter

Das Geheimnis der rosa Rohre in Berlin

Erst am vergangenen Sonnabend hatten zum wiederholten Male zahlreiche Menschen vor dem SEZ gegen einen Abriss demonstriert, darunter auch der Architekt des einstigen DDR-Prestigeobjekts, Günter Reiss. Es gebe keinen Grund, das Gebäude heute abzureißen. Es sei völlig intakt, erklärte er.

Wie Florian Schmidt, der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, am Montag erklärte, befürworte der Bezirk den Erhalt oder Teilerhalt der einst bei Berlinern beliebten Sportstätte mit Wellenbad, Eisbahn, Sporthallen und Bowlingbahnen – bei gleichzeitiger Umsetzung von Wohnungsbau und Schulbau.

Nach seinen Angaben sei ein neu gedachtes SEZ-Quartier an der viel befahrenen Landsberger Allee die wirtschaftlichere Lösung, bei der die Bedarfe der Bevölkerung in den Bereichen Wohnen, Bildung, Sport, Kultur und Begegnung am besten berücksichtigt werden könnten.

Zu der Frage, ob der Bezirk den Abriss untersagen werde, erklärte der Grünen-Politiker auf Anfrage der Berliner Zeitung: Es gebe von der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte GmbH (WBM) lediglich die Pflicht einer Abrissanzeige. Diese sei erfolgt. Somit könne ab Montag, dem 2. März, mit dem Abriss begonnen werden, sagte Schmidt. Es ist der Tag, an dem im Abgeordnetenhaus die Anhörung zum SEZ stattfinden soll.

Schmidt beruhigte indes die Befürworter des Erhalts der Sportstätte. Wie er mitteilte, werde die WMB nach seinem Kenntnisstand zunächst erst einmal mit der Schadstoffsanierung beginnen. „Und erst im Sommer startet der Rückbau von Gebäudestrukturen“, erklärte der Baustadtrat.

Somit bestehe nach seinen Worten noch die Möglichkeit, in den nächsten Monaten einen Kompromiss zu finden und zu prüfen. „Es braucht Dialogbereitschaft aller Seiten und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen“, erklärte Schmidt.

Kritiker des Abrisses prangern Baumfällungen an

Die öffentliche Sportnutzung des im März 1981 mit großem Pomp eröffneten SEZ, das zu DDR-Zeiten jährlich Millionen Besucher anzog, wurde bereits vor 23 Jahren beendet und das Gebäude für einen symbolischen Euro an einen Investor verkauft. Laut Vertrag sollte er das Wellenbad nach fünf Jahren wiedereröffnen.

Doch nichts geschah. Deswegen erstritt sich das Land Berlin die Immobilie gerichtlich zurück. 2018 wurde für das 45.000 Quadratmeter große Areal ein Bebauungsplan festgesetzt. Er sieht den Bau von Wohnungen und einer Schule vor – und den Abriss des Sport- und Erholungszentrums.

Ausdrücklich unterstütze man die Errichtung von fast 700 bezahlbaren Wohnungen an diesem Standort durch die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte GmbH, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit.

Klima-Aktivisten der „Neuen Generation“ blockieren A100 am Treptower Park

Gundermann-Tribute im Theater Ost: „Das Abendland braucht auf die Fresse!“

Schon beim Verkauf des Geländes im Jahre 2003 an einen Investor sei man von einem Sanierungsbedarf in zweistelliger Millionenhöhe ausgegangen, so die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Seitdem habe sich der Bedarf erheblich gesteigert.

Zuletzt hatten Befürworter des Erhalts des zur Straße hin mit einem blickdichten Bauzaun umschlossenen SEZ-Geländes kritisiert, dass gesunde, unter Schutz stehende Bäume mittlerweile auch dort gefällt werden, wo keine Bebauung vorgesehen sei. Von einem „Baummassaker“ ist die Rede. Unklar sei, so heißt es, ob es dafür eine Baumfällgenehmigung gebe – und wenn ja, mit welcher Begründung.


© Berliner Zeitung