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„Ich habe ein sehr schlechtes Gefühl“ – Selenskyj wegen Iran-Krieg unter Druck

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18.03.2026

Im Interview mit der BBC erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einem Besuch in London, dass die Ukraine aufgrund des Konflikts im Nahen Osten mit einem Raketen-Defizit rechnen müsse.

Selenskyj rief US-Präsident Donald Trump und den britischen Premierminister Keir Starmer dazu auf, sich zu treffen und eine gemeinsame Position zu erarbeiten: „Ich würde wirklich gerne sehen, dass Präsident Trump sich mit Starmer trifft […] damit sie eine gemeinsame Position haben“, sagte er.

Konflikt im Iran überschattet den Krieg in der Ukraine

Der US-israelische Angriff auf den Iran hat die geopolitische Lage neu gemischt, während die Ukraine beklagt, dass der Konflikt in Osteuropa dadurch in den Hintergrund rückt. In der Folge kam es zwischen Trump und Starmer zu Spannungen: Großbritannien zog eine angekündigte Unterstützung zurück und verweigerte die Entsendung von Kriegsschiffen, um die Straße von Hormus im Rahmen des US-israelischen Vorgehens wieder zu sichern. Trump kritisierte Starmer scharf als „kein Winston Churchill“ und äußerte Enttäuschung über ihn. Starmer erklärte hingegen, er wolle sein Land nicht in einen größeren Krieg hineinziehen.

Selenskyj äußerte zudem seine Sorge über die aktuelle Lage: „Ich habe ein sehr schlechtes Gefühl in Bezug auf die geopolitische Situation. Verhandlungen für Frieden werden ständig verschoben – der Grund ist der Krieg im Iran.“ Er sagte, dass die Entwicklungen Russland zugutekommen würden, da sie die Energiepreise in die Höhe treiben und die Ukraine vor zusätzliche Probleme stellen könnten, darunter ein mögliches Defizit an Raketen.

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Gleichzeitig sind rund 200 ukrainische Militärexperten im Nahen Osten im Einsatz, um Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Katar gegen iranische Shahed-Drohnen zu verteidigen. Die Ukraine produziert täglich bis zu 2000 Abfangdrohnen, die sowohl für die eigene Verteidigung als auch für Partnerländer verfügbar sind.

Während seines London-Besuchs unterzeichnete Selenskyj mit Starmer zudem ein Verteidigungsabkommen zur gemeinsamen Produktion von Drohnen und weiterer Technologien.

Die letzte vollständige trilaterale Verhandlungsrunde zwischen Vertretern Kiews, Moskaus und Washingtons fand Mitte Februar in Genf statt. Eine ursprünglich für den 5. März in Abu Dhabi geplante Fortsetzung der Gespräche wurde aufgrund der eskalierenden Lage nach den US- und israelischen Angriffen auf den Iran verschoben; ein neuer Termin und ein Veranstaltungsort wurden bisher nicht bekannt gegeben.


© Berliner Zeitung