Pneumokokken in Berlin auf dem Vormarsch: Das ist jetzt zu beachten
Die Grippewelle in Berlin hält an, doch der Höhepunkt scheint überschritten zu sein. Dagegen nehmen Infektionen mit RSV wieder zu. Und: Bei Pneumokokken wurde in der zurückliegenden Woche ein Spitzenwert für dieses Jahr verzeichnet.Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) berichtet, gingen 26 Meldungen bei den Berliner Gesundheitsämtern ein. Es handelte sich demnach um Patienten im Alter zwischen 46 und 82 Jahren. Fast alle wurden stationär in einem Krankenhaus behandelt.
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„Das Risiko einer schwer verlaufenden Pneumokokken-Infektion ist altersabhängig“, erläutert das Lageso. „Neben Säuglingen und Kleinkindern in den ersten beiden Lebensjahren sind insbesondere ältere Menschen von invasiven Verläufen betroffen.“
Bei Pneumokokken handelt es sich um Bakterien. Sie werden durch Husten, Niesen oder Sprechen in unmittelbarer Nähe übertragen. Winzige Tröpfchen aus dem Nasen‑Rachen‑Raum gelangen von einer infizierten Person auf die Schleimhäute anderer. Außerdem ist auch eine Übertragung über Hände möglich, die mit Nasensekret besiedelt sind. Viele Menschen – vor allem Kinder – haben keine Symptome, können die Bakterien aber weitergeben. Ein höheres Ansteckungsrisiko besteht in Kitas, Schulen, Pflegeheimen oder Krankenhäusern.
Komplikationen: Von Arthritis bis Sepsis
Die Symptome ähneln denen einer Infektion mit Influenzaviren. Hohes Fieber und Schüttelfrost treten auf, Husten mit Auswurf. Eine Mittelohrentzündung oder eine Sinusitis der Nasennebenhöhlen sind möglich. Der Puls ist erhöht, die Atmung beschleunigt, im Extremfall kommt es zu Atemnot.
Pneumokokken können zum Teil schwere Erkrankungen auslösen. Vor allem dann, wenn zuvor Grippeviren mit im Spiel waren. Komplikationen sind unter anderem eine Hirnhautentzündung oder eine Sepsis, Arthritis und Knocheninfektionen. Herz, Lunge und Bauchfell können in Mitleidenschaft gezogen werden.
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Pneumokokken-Impfung für Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten sowie für alle Menschen über 60 und Patienten mit bestimmten Grunderkrankungen, die zu einer herabgesetzten Immunabwehr führen.
Ein Drittel häufiger als in der Vorwoche wurden dem Lageso RSV-Fälle gemeldet – insgesamt waren es 220. Betroffen waren vor allem Säuglinge unter zwei Jahren und ältere Menschen jenseits der 75. Bei den Kleinkindern stieg die Inzidenz auf 48, bei den Senioren auf 18 Infektionen pro 100.000 Einwohner.
