Kliniken, Arznei, Kassenvorstände: Dafür zahlen Krankenversicherte ihre hohen Beiträge
In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) halten die Einnahmen mit den Ausgaben weiterhin nicht Schritt. Das zeigen die vorläufigen Zahlen für das vergangene Jahr, die das Bundesgesundheitsministerium veröffentlicht hat. Demnach setzt sich die Kostenexplosion fort.Den Angaben zufolge standen zwar 355,9 Milliarden Euro an Einnahmen Ausgaben in Höhe von 352,4 Milliarden gegenüber, die GKV verzeichnete also ein Plus. Doch während die Ausgaben um 7,8 Prozent stiegen, nahmen die Beitragseinnahmen lediglich um 5,3 Prozent zu. Die endgültigen Ergebnisse der Krankenkassen für 2025 und das erste Quartal 2026 werden Mitte Juni erwartet.
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Diese seit langem anhaltende Entwicklung führt zu ständig steigenden Beiträgen für die 74 Millionen gesetzlich Versicherten und damit zu einem sinkenden Nettoeinkommen. Auch schlägt sich der Trend in der wirtschaftlichen Bilanz der Arbeitgeber nieder, die zur Hälfte für die gesetzliche Krankenversicherung ihrer Beschäftigten aufkommen.Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bekräftigt, sie wolle die Beiträge stabil halten, sie sagte allerdings auch: „Ab 2027 sind in der GKV jedes Jahr Finanzierungslücken in zweistelliger Milliardenhöhe zu erwarten.“ Welche Bereiche treiben die Kosten im Gesundheitswesen in die Höhe? Wo müsste gespart werden? Hier ist die Übersicht.
Vorstände der Krankenkassen kassieren mehr Geld
In Deutschland gibt es 93 gesetzliche Krankenkassen mit jeweils einer eigenen Verwaltung. Die Ausgaben dafür betrugen im vorigen Jahr 13,3 Milliarden Euro. Das waren etwa 602 Millionen Euro oder 12,7 Prozent mehr als 2024.
Die sogenannten sachlichen Verwaltungskosten stiegen um 4,4 Prozent, die persönlichen nahmen sogar um sechs Prozent zu. Darunter fallen Gehälter, Löhne, Sozialversicherungsbeiträge und Altersversorgung der Mitarbeiter, die für Beratung, Antragsbearbeitung, Leistungsabrechnung und Mitgliederverwaltung zuständig sind.
Alle Kassen verfügen ebenso über eigene Vorstände. Deren Gehälter sind einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge teilweise stark angestiegen. So soll der neue Vorstandschef der BKK firmus im vergangenen Jahr ein Plus von 31.424 Euro im Vergleich zum Gehalt seines Vorgängers erhalten haben. Die BKK firmus erhebt derzeit den vergleichsweise niedrigsten Beitrag.
Den größten Sprung macht laut Bild die Chefin der Bahn-BKK, deren Bezüge von 178.750 Euro auf 195.000 Euro gestiegen seien, zuzüglich eines Bonus von 44.688 Euro. Die Bahn-BKK hatte Ende 2025 ihren Zusatzbeitrag um 1,2 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent erhöht. Auch Vorstände anderer Kassen erhielten im abgelaufenen Jahr mehr Geld.
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Unterdessen nahmen die Kosten der GKV für Leistungen im vergangenen Jahr um insgesamt 24,6 Milliarden Euro zu, was einem Plus von 7,9 Prozent entsprach. Die GKV gab somit für ihre eigentlichen Aufgaben 336,4 Milliarden Euro aus.
Nach wie vor wenden die Kassen das meiste Geld für Behandlungen in Krankenhäusern auf. Sie waren auch diesmal wieder der größte Kostentreiber mit insgesamt 111,4 Milliarden Euro, 9,7 Milliarden mehr als 2024.
Diese Steigerung von 9,6 Prozent war laut Gesundheitsministerium mehr als doppelt so groß wie im jährlichen Durchschnitt während des Zeitraums zwischen 2013 und 2024. Die Konzentration stationärer Versorgung, eine Spezialisierung und stärkere Einbindung ambulanter Strukturen sollen die anhaltende Entwicklung bremsen. Ob die Krankenhausreform in der jetzt beschlossenen Form diese Effekte erzielt, halten Kritiker für fraglich.
Nicht nur die Aufwendungen für stationäre Behandlungen legten stark zu, sondern auch jene für den ambulanten Sektor, nämlich um 3,8 Milliarden Euro oder 7,6 Prozent. Neben der angehobenen Vergütung für die vertragsärztliche und psychotherapeutische Versorgung führten nach Angaben des Gesundheitsministeriums ambulant ausgeführte Operationen zu einem finanziellen Mehraufwand von 15,7 Prozent, ebenso ambulante spezialfachärztliche Behandlungen (16,3 Prozent), Behandlungen in Hochschulambulanzen (8,9 Prozent) sowie die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (15,2 Prozent).
Kosten für Heilmittel steigen stark an
Unverändert vor dem ambulanten Sektor auf Position zwei der Ausgabenliste rangieren die Medikamente. Sie entsprachen knapp der Hälfte der Kosten für Klinikbehandlungen. 58,5 Milliarden Euro und damit 3,2 Milliarden mehr gab die GKV dafür aus. 5,9 Prozent betrug der Zuwachs, der ebenfalls über dem jährlichen Durchschnittswert zwischen 2013 und 2024 lag.
Für Heilmittel wandte die GKV rund 14,7 Millionen Euro auf, 10,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Unter Heilmittel fallen nicht-medikamentöse Behandlungen, die Schmerzen lindern oder gegen eingeschränkte Beweglichkeit verordnet werden, wie Physiotherapie (557 Millionen Euro im Jahr 2025) oder Ergotherapie (439 Millionen).
Weitere größere Posten in der GKV-Ausgabenbilanz sind die medizinische Behandlungspflege mit zwölf Milliarden Euro (12,6 Prozent Zuwachs), Fahrtkosten mit 10,4 Milliarden (8,9 Prozent) und Reha mit 5,1 Milliarden Euro (zehn Prozent).Was bedeutet das für die gesetzlich Krankenversicherten? Für sie bleibt der allgemeine Beitragssatz stabil bei 14,6 Prozent. Dagegen variiert der Zusatzbeitrag je nach Krankenkasse. Schon jetzt bedeutet der durchschnittlich veranschlagte Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent einen deutlichen Sprung gegenüber 2025 mit nur 2,5 Prozent. Insgesamt zahlen Versicherte im Schnitt 17,5 Prozent ihres Bruttoeinkommens, jeweils zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Die Spanne bei den Beiträgen insgesamt reicht von 16,78 bis 19,0 Prozent.
